„Das Lamm Gottes“ (Judika, 29.3.2020)

ELKG 028 • Heb 13,12–14 (Lut 17, Elb 06)

Foto: D. Vorberg

Jesus ist auf einer Müllkippe gestorben.

Denn die Leiber der Tiere, deren Blut durch den Hohenpriester als Sündopfer in das Heilige getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

Verse 11–12

Die „Schädelstätte“ Golgatha (vgl. Mt 27,33 u.ö.) war der Ort außerhalb der Stadt, wo der Abfall hingebracht wurde, das Vergammelte, das Ekelige, das, womit man nichts zu tun haben will.

Als die Corona-Krise losging, wurde zuerst Klopapier gehamstert. Das hat im Internet für manchen Witz gesorgt. Als die Zeiten unsicher wurden, war die erste Sorge, die die Menschen hatten, dass sie sich ihrer Unreinheit nicht mehr abwischen können.

Ich hatte gestern ein Erlebnis beim Einkaufen: Ich habe mich an der Kasse angestellt und der Mensch vor mir bat mich, Abstand zu halten. Er hat das sehr freundlich getan und er hat natürlich recht: So ist es in der Verordnung erlassen und wo wir uns doch alle per Tröpfchen-Infektion an Corona anstecken können, ist es ja auch vernünftig. Es hat sich trotzdem furchtbar angefühlt: Zurückgestoßen zu werden. Ich habe mich gefühlt, als würde ich für unrein und ekelig erklärt. So muss es sich anfühlen, wenn man ausgeschlossen wird. So muss es sich anfühlen, wenn man „unnormal“, „unnatürlich“, „schwul“, „Krüppel“, „fett“ oder „hässlich“ genannt wird. Das ist, was das Böse tut: Es treibt uns dazu, Menschen zu behandeln als seien sie Abfall.

Jesus hat sich dem Bösen voll und ganz ausgesetzt. Er hat es freiwillig auf sich genommen. Er hat sich dem Opfertier gleich gemacht, das am großen Versöhnungstag benutzt wird, um die Sünde der Stadt nach draußen zu tragen. Er hat sein Kreuz selbst getragen, ist durch den Unrat gestapft und wurde auf dem Gipfel des Müllbergs zum König der Unreinen „erhöht“ (vgl. u.a. Joh 3,14).

So laßt uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

Vers 13

Dem Absender des Hebräerbriefes muss vor Augen gestanden haben, dass er und seine Leser aus der Gemeinschaft ihrer Gemeinde ausgeschlossen wurden, weil sie sich zu Jesus als dem Messias bekannt haben. In dieser Situation will er sich zu Jesus stellen, denn er weiß, dass dieser König der Unreinen in Wirklichkeit Gott ist. Verborgen unter der Niedrigkeit und der Schmach des Kreuzes ist die Herrlichkeit des Himmelreiches und die Ehre Gottes gegenwärtig. Sie ist sichtbar für die Augen des Glaubens. Wer zu Jesus tritt, zu den Armen und Ausgestoßenen, der steht in Wirklichkeit schon mit einem Bein im Himmelreich. Wer mit Jesus Schmach und Niedrigkeit erträgt, wird mit ihm zusammen von allen Engeln geehrt.

Das Böse trägt dann einen besonderen Sieg davon, wenn Christen andere Menschen so behandeln, als wären sie ekelig und unrein. Das ist dann verkehrte Welt: Statt sich zu Jesus zu stellen, stellen sie sich zur grölenden Masse. Statt seine Schmach zu tragen, schmähen sie.

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