„Verklärung“ (Letzter So. n. Epiphanias, 2.2.2020)

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Offenbarung des Johannes 1,9–18Luther 2017NGÜ • ELKG 019

Das ist ein seltsames Bild von Jesus: Weiße Haare, flammende Augen, ein Gewand mit goldenem Gürtel, seine Füße ebenfalls golden und sehr stabil. Seine ganze Gestalt leuchtet. Seine Stimme klingt wie Wasserrauschen. Er hält Sterne in seiner Hand und aus seinem Mund ragt ein Schwert.

Ist das ein Bild von Jesus, das mir Kraft gibt für mein Leben? In jedem Fall macht es mich neugierig. Dieser Mensch sieht ganz anders aus als alle anderen Menschen, denen ich je begegnet bin.

Die Menschen, zu denen die Offenbarung des Johannes spricht, sind der Verfolgung durch gewalttätige Menschen ausgesetzt. Sie erleiden Todesangst. Wie soll dieses Bild ihnen helfen? Spätestens bei dem Schwert aus dem Mund wird es mir persönlich eher mulmig zumute. Es verunsichert mich mehr, als dass es mir Sicherheit gibt.  

Die Offenbarung des Johannes ist dafür bekannt, dass sie bildhafte Sprache verwendet um die Botschaft Gottes unter die Menschen zu bringen. So hat jedes Bild für Jesus eine besondere Bedeutung: Weiß ist die Farbe für Reinheit und für Heiligkeit. Auch das Licht ist weiß und umhüllt ihn hier ganz. Er wird beschrieben, wie eine Lichtgestalt, wie ein Engel. Solche Bilder verwendet u.a. auch der Evangelist Matthäus im 17. Kapitel: „Dort veränderte sich vor ihren Augen sein Aussehen. Sein Gesicht begann zu leuchten wie die Sonne, und seine Kleider wurden strahlend weiß wie das Licht.“ Er scheint kein Mensch mehr zu sein und doch wird in der Offenbarung des Johannes betont, dass er einem „Menschensohn“ glich. Gleichzeitig fremd und doch vertraut.

Bedenkt man nur dieses Zwiespältige, dass Jesus gleichzeitig Fremder und Vertrauter ist, kommt es unserem Bild von Jesus vielleicht doch wieder nahe. Zumal es in diesem Abschnitt tatsächlich weniger auf die Bilder ankommt als auf die Worte, die Jesus spricht:  

Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“  

Jesus ist der Erste gewesen, er war schon lange vor mir da. Er kennt diese Welt und die Menschen, die in ihr leben. Jeden Weg, den ich auf dieser Welt gehen kann, ist er schon vor mir gegangen. Er ist durch den Tod gegangen. Doch er ist nicht im Tod geblieben. Die Evangelien bezeugen, dass er von den Toten auferstanden ist, dass er lebendig geworden ist. Und dass er damit dem Tod die Macht genommen hat. Damit ist er nicht nur der Erste, sondern zugleich auch der Letzte. Der Tod ist nicht das Ende, sondern eine Durchgangsstation. Mit dem Schlüssel des Todes schließt er uns die Tür zum Leben auf. Die Durchgangsstation endet auch für dich nicht in einer Sackgasse, sondern führt dich ins Leben.    

Unser Bild von Jesus geht auf seine Worte zurück. Doch ein Foto von ihm bei der Verklärung, das haben wir nicht. Ich habe lange gesucht, um ein Bild zu finden, dass für mich Jesus als Lichtgestalt einfängt. Ich kann mir Jesus als Lichtgestalt nicht vorstellen – auch wenn die Offenbarung des Johannes hier eine recht eindrückliche Beschreibung bietet. Aber ich kann mir vorstellen, wie Jesus als Licht auf andere Menschen scheint. Wie er sie erleuchtet. Wie er ihnen die Angst vor dem Tod nimmt, indem er sie als der Lebendige anstrahlt. Er leuchtet mir die Angst weg. Da ist ein Bild, dass mich stark macht, dass mir Sicherheit gibt und Trost schenkt.

Gedankenanstöße

  • Wie sieht dein persönliches Bild von Jesus aus. Wäre es ähnlich wie das in der Offenbarung des Johannes oder würdest du es anders gestalten?
  • Taugen solche Bilder von Jesus überhaupt etwas, wenn er seine Gestalt verändert und wir uns davon eigentlich kein Bild machen können? Wie passt die Beschreibung von Jesus zu dem Bilderverbot aus den 10 Geboten: „Du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt…“ (5. Mose 5,8)
  • Die Verklärungsszene aus Matthäus 17 ist das Evangelium für den Sonntag. Auch im Introitus (Ps 97) und in der Epistel (2. Petrus 1,16-21) spielt Jesus Christus als Licht für die Welt eine besondere Rolle. Wie leuchtet Jesus in dein Leben hinein?

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