„Mit eigenen Augen“ (1. So. n. Weihnachten, 29.12.2019)

Image by Welcome to all and thank you for your visit ! ツ from Pixabay

Hiob 42,1-6Luther 2017 •  Elberfelder • ELKG 09

Bei mir rauscht die Weihnachtszeit dieses Jahr an mir vorbei. So richtig Weihnachten ist es bei mir nicht. Da geht es mir ganz ähnlich wie Hiob.  Ich höre die Weihnachtsbotschaft in den Gottesdiensten, aber ankommen tut sie nicht so richtig.

Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen. Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche. (Vers 5 + 6)

Hiob hat gehört, aber nicht gesehen. Liegt darin das Geheimnis von Weihnachten?

Gar nicht so einfach mit dem Durchblick. Letztes Wochenende bin ich zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche in eine neue Wohnung gezogen. Das war anstrengend und man verliert schnell den Überblick, was wo ist und was nun eigentlich erst einmal dran ist. Vielleicht ist es bei solchen Umzügen auch andersherum als bei Hiob: Ich sehe alles, das ganze Chaos. Aber ich kann nicht mehr auf die Stimmen hören, die mir sagen, was jetzt wichtig ist.   

In dieses Wirrwarr, in das „Hörensagen“ spricht Gott nun selbst hinein. Hiob’s Freunde hatten ihn in einer schwierigen Lage beraten wollen. Sie wollten ihm sagen, warum Gott Hiob so viel Leid zugefügt hat. Doch was gut gemeint war, entpuppte sich als Rede ohne Sinn und Verstand. Die Freunde wussten gar nicht, worüber sie da eigentlich sprachen. Hiob kommt am Ende des Buches zu dem Schluss:  „Ich habe ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.“

Das Leben führt uns in so manches Chaos. Oft denke ich, ich kann das Chaos dadurch beseitigen, dass ich es verstehe. Ich verschaffe mir einen Durchblick. Ich versuche zu klären, warum mir das passiert und dann ordnet sich das Chaos von allein. Ich lasse mich von möglichst vielen Menschen und Ratgebern bequatschen, um mir wertvolle Tipps zu holen. Das funktioniert an manchen Stellen in meinem Leben. Aber bei den großen Fragen, bei den wirklichen Problemen, an den Punkten, wo ich mit meiner Kraft am Ende bin, scheitert diese Methode. Da ist es doch wert-voller, das „Hörensagen“ und meine eigenen Erklärungen beiseite zu lassen und auf den zu schauen, der wirklich helfen kann. Den, der Ordnung in mein Chaos bringt.

In dem Predigttext hören wir von Hiob, der den HERRN mit eigenen Augen sieht. Und seine ganzen Fragen, sein Leid, sein Chaos lösen sich auf. Es ist ihm genug, auf Gott, auf seinen Heiland, zu blicken. Im Evangelium wird uns dies noch einmal an einer anderen Person vor Augen geführt. Simeon wurde verheißen, dass er nicht eher sterben würde, ehe er „den Christus des Herrn“ sieht. Christus, den Retter, den Heiland. Im Tempel, als Maria und Josef mit Jesus ankamen, hat sich diese Prophezeiung für Simeon erfüllt. Im Lebens-Chaos auf Jesus zu blicken klingt leicht, doch vieles lenkt unseren Blick und unsere Gedanken von ihm ab. Darum ist es schön und wichtig, sich jedes Jahr an Weihnachten von dem Engel Gottes immer wieder neu sagen zu lassen: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Gedankenanstöße

  • Welches Chaos möchtest du in diesen Weihnachtstagen bei Jesus an der Krippe ablegen?
  • Wie findest du Hiob’s Reaktion auf den Anblick Gottes („Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.“ Vers 6)? Fallen dir andere Bibelgeschichten ein, wo „aufgeben“ sinnvoller war als kämpfen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.