„Der Ja-Sager“ (4. Advent, 22.12.2019)

Image by debowscyfoto from Pixabay

2. Korinther 1,18–22 •  ELKG 04 • Luther 2017Elberfelder

Ein einfaches „Ja“ kann etwas ganz Besonderes sein. Gerade wenn man z.B. vor dem Traualtar steht und eine klare Antwort geben soll, ist eine Aufzählung der Pro’s und Contra’s für oder gegen die Ehe mit diesem Menschen eher unangebracht. Da muss es schon konkreter sein.

Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, […] der war nicht Ja und Nein, sondern das Ja war in ihm. (Vers 19)

Keine Vorbehalte, kein „Ja“ und „Nein“. Das klingt erstmal gut. Aber ist das für unser Leben auch sinnvoll?

Unser Leben bewegt sich in bestimmten Ordnungen. Und das ist auch gut so. Wenn man z.B. in der Kindererziehung immer nur „Ja“ sagen würde, würde das Ganze schnell im völligen Chaos enden. Da braucht es klare Regeln und Grenzen. Gottes Erziehung mit uns, seinen Kindern funktioniert genauso. Er stellt Regeln auf, die das Leben mit ihm und das Leben der Menschen untereinander sinnvoll regeln. „Du sollst“, „du sollst nicht“. Er sagt uns, was geht und was nicht geht. Ohne solche klaren Ja-Nein-Strukturen würde unser Leben gar nicht funktionieren.

Paulus verkündet hier: „Unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein zugleich“ (Vers 18). Dabei haben Paulus uns seine Kollegen doch auch einen erzieherischen Auftrag an ihren Hörern. Sie sollen den Menschen doch auch weitergeben, was geht und was nicht geht in der Beziehung mit Gott. Und ist es nicht auch Teil unseres Glaubenslebens, uns von falschen Lehren abzugrenzen? In Glaubensdingen sagen wir auch zu bestimmten Dingen „Ja“ und zu anderen ein klares „Nein“. Spätestens bei grundsätzlichen Fragen, wie ob wir an Gott glauben oder an den Weihnachtsmann, können wir uns doch ganz klar äußern. Ja, ich glaube an Gott. Ja, ich glaube, dass Gottes Sohn Mensch geworden ist. Doch ist unser „Ja“ zu Gott wirklich immer so einfach? Meist ist unser mutiges „Ja“ zu Gott eigentlich ein „Ja, aber…“. Und oft genug endet es in einem klaren „Nein“. Spätestens wenn wir aus der Kirchentür raus sind, gehen unsere guten Vorsätze gleich im Gedankenkarussell unter.

Paulus geht es hier nicht um Fragen der Erziehung oder um unser kümmerliches „Ja“ zu Gott, sondern um Gottes „Ja“ zu uns. Um das „Ja“, das er zu uns in Jesus Christus spricht. Ich habe eingangs gefragt, ob ein solches eindeutiges „Ja“ sinnvoll ist. Ich denke, es ist weit mehr als das. Es ist lebenswichtig. Wir werden in unserem Alltag so oft mit Kleingedrucktem konfrontiert. Kostenfallen in Handyverträgen, Schlupflöcher in Gesetzestexten usw. Ich könnte die Liste seitenlang erweitern. Von Gott kommt hier ein klares „Ja“. Keine Vorbehalte, keine Hintergedanken, kein „Ja, aber…“.

Beim Eheversprechen sagen Braut und Bräutigam ihr „Ja“ zueinander mit vollem Ernst. Und doch können sie nicht garantieren, dass das „Ja“ ihr ganzes Leben lang hält – so schön das ist und wie sehr man sich dafür auch anstrengt. Gott sagt sein „Ja“ zu uns mit ebensolchem Ernst. Und dieses „Ja“ gilt auf Dauer.

Gedankenanstöße

  • Wo hast du Gottes „Ja“ zu dir in letzter Zeit gespürt?
  • Unser „Ja“ zu Gott wird im zweiten Teil des Textes aufgenommen: „darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre“ (Vers 20). Das Amen wird oft erklärt als unsere „Unterschrift“ unter die gehörten bzw. gesprochenen Worte Gottes. Welche Aspekte werden daneben in V. 20 noch deutlich und warum ist das wichtig?
  • Wenn man sich beide oben verlinkten Bibelübersetzungen (Luther 2017 und Elberfelder) parallel anschaut, erkennt man deutliche Unterschiede in der Übersetzung. Macht das einen Unterschied in der Deutung des Textes?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.