„Der Vorläufer des Herrn“ (3. Advent, 15.12.2019)

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Lk 3,(1–2)3–14(15–17)18(19–20)Luther 2017Elberfelder • ELKG 03 

Johannes der Täufer hat eine klare Vorstellung von dem, was der Täufling vor der Taufe tun muss:

Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße. (Vers 8)

Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. (Vers 10)

Gar nicht so einfach, wo wir doch heute im Gottesdienst normalerweise Säuglinge taufen. Was muten wir dem frisch gebackenen Erdenbewohner da alles zu?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Johannes der Täufer stellt eine Reihe von Bedingungen, die vor der Taufe erfüllt werden müssen: Der Anwärter soll ein rechtschaffenes Leben führen. Er soll Buße tun und mit Gott im Reinen sein, bevor er den Gang zum Taufbecken wagt. Er soll von seinem Hab und Gut abgeben, wo immer er kann. Spätestens in Vers 16 klingt jedoch an, dass es Johannes hier nicht um Vorbedingungen geht: „Ich taufe euch mit Wasser“. Nicht: „Ich taufe euch, wenn ihr xy getan habt“. Es geht ihm vielmehr um die Erklärung, wozu die Taufe überhaupt notwendig und sinnvoll ist – und warum seine Taufe noch nicht die Taufe Christi ist.

Die Taufe dient der Vergebung der Sünden. Damit Sünden vergeben werden können, muss die Schuld aber erst einmal offen auf dem Tisch liegen. Die Menschen sollen Buße tun und Gott um Vergebung bitten. Die Taufe ist keine Spaßveranstaltung. Keine Sache, die „man halt einfach  so macht“, ohne zuvor die Konsequenzen bedacht zu haben. Auf die Taufe, auf die Zugehörigkeit zu Gott soll eine Veränderung der Lebensgewohnheiten folgen.

Johannes findet hier sehr scharfe Worte. Es steht mir als Interpret und Zeuge des Wortes nicht zu, diese Schärfe aus den Worten herauszunehmen. Aber die andere Seite darf auch betont werden: In dem Zitat aus dem Buch Jesaja wird etwas ganz Wunderbares angekündigt: Alle Täler sollen erhöht, alle Hügel erniedrigt werden. Alles Krumme wird gerade. Da ist kein Hindernis mehr, das jemanden abhalten könnte, den Weg zu gehen. Und es ist auch kein Hindernis mehr da, das Gott abhalten könnte, zu uns Menschen zu kommen. „Alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen“ (Vers 6). Der Weg ist frei. Jeder wird die Herrlichkeit Gottes sehen können. Das ist es, was Christus geleistet hat, als er in die Welt kam. Als er „mit dem Heiligem Geist und mit Feuer“ taufte. Als er am Kreuz starb, damit unsere Sünden nicht mehr ins Gewicht fallen.

Christus ist der Grund, warum wir auch heute guten Gewissens Säuglinge taufen dürfen. Christus steht für uns ein – ohne, dass wir Vorleistungen erbringen müssen. Als getaufter Christ ein selbstloses und tadelloses Leben zu führen, ist sehr wünschenswert. Doch dass unsere Sünden nicht mehr ins Gewicht fallen heißt nicht, dass der Mensch kein Sünder mehr ist. Fehler, Egoismus, Geiz, Rechthaberei usw. werden immer zum Menschsein dazu gehören. Und doch dürfen wir uns die Bußpredigt Johannes des Täufers zu Herzen nehmen. Gerade in der Adventszeit, wo von der weihnachtlichen Überfülle der Dinge viel zu spüren ist, können wir getrost eines von unseren zwei Hemden abgeben. Schaden wird es uns sicher nicht.

Gedankenanstöße

  • Welches Hemd hast du abzugeben? Was kannst du gut an andere weitergeben, ohne dass es dir nach einer Woche fehlen würde?
  • Wie stehst du persönlich zur Kindertaufe? Ist das sinnvoll oder zu schwer mit dem biblischen Zeugnis zu vereinbaren?

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