„Der kommende Erlöser“ (2. Advent, 8.12.2019)

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Lk 21,25–33Luther 2017 •  Elberfelder • ELKG 02

Wir haben einige mehr oder weniger feste Rituale, mit denen wir uns auf Weihnachten vorbereiten. Wie bereiten wir uns auf die Wiederkunft Christi vor? „Wie soll ich dich empfangen und wie begeg’n ich dir?“ Ein paar praktische Tipps vom Meister persönlich wären jetzt hilfreich.

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. – Lukas 21,28

Wie gemütlich machen wir es uns hier auf der Erde?  Ich persönlich liege gern auf dem Sofa. Ich mache Zukunftspläne. Ich stelle Kerzen auf, trinke Tee und esse Kekse. Ich mach’s mir gemütlich. Und es geht mir gut damit. Jesus hat einen anderen Plan. Er sagt: Die Welt wird untergehen.

Die Wiederkunft Christi ist unmittelbar mit dem Untergang der Welt verknüpft. Im Text steht etwas von „Zeichen“ an Sonne, Mond und Sternen, von einem wilden und unbezähmbaren Meer. Das ist kein „was-wäre-wenn“-Szenario. Die Aussage ist hier eindeutig. Jesus meint das ernst. Die Welt wird untergehen. Und er sagt das so, dass jeder ihn versteht: Wenn ihr seht, dass ein Feigenbaum Blätter austreibt, dann wisst ihr, das Sommer ist. Wenn ihr „Zeichen“ an Sonne, Mond und Sternen seht, dann wisst ihr, dass die Welt untergeht. Aus und vorbei.

Wie ist das bei uns, wenn uns der „Wetterumschwung“ erwischt? Wenn die Welt untergeht? Wenn wichtige Orientierungspunkte in unserem Leben wegfallen? Die natürliche Reaktion des Menschen darauf ist Angst. Er hat drei Möglichkeiten: Er kann sich 1. in einer Ecke zusammenkauern, sich so klein machen wie es geht und hoffen, dass es ihn am Ende doch nicht treffen wird. 2. Er kämpft dagegen an, vergräbt sich in die Arbeit und realisiert dabei gar nicht, was um ihn herum geschieht. Oder 3.: Er versucht, vor dem Unausweichlichen zu fliehen.

Wir könnten jetzt anfangen zu diskutieren, welche die sinnvollste Reaktion ist. Bevor wir das tun, schauen wir aber noch einmal zur Ursache. Wovor genau haben wir eigentlich Angst? Haben wir Angst davor, dass Christus nicht wiederkommt und uns uns selbst überlässt? Oder haben wir Angst davor, dass Christus wiederkommt? Dass er wiederkommt und auf der Welt nicht das vorfindet, was er vielleicht gerne hätte? Dass wir nicht seinen Vorstellungen entsprechen? Dass ihm vielleicht nicht dieselben Dinge wichtig sind wie uns?

Jesus bietet uns einen 4. Weg an, wie wir mit unserer Angst umgehen können: „Seht auf und erhebt eure Häupter“. Kein Verkriechen, kein Kampf, keine Flucht. Sondern aufblicken und hinsehen. Jesus sieht uns an. Und wir müssen uns nicht schamvoll in eine Ecke verkriechen. Wir dürfen ihn zurück ansehen. Nicht mit Furcht und Zittern, sondern in freudiger Erwartung auf das, was kommt. Er selbst kommt „mit großer Kraft und Herrlichkeit“. Er ist der Herr über die ganz großen Dinge, der Herrscher über Himmel und Erde.

Und doch bleibt er nicht der Ferne. Er kommt zu uns. Er schaut uns an und fordert uns auf, ihn zurück anzusehen. „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“. Wollen wir denn erlöst werden? Wollen wir, dass er uns befreit von dem, was uns auf dieser Erde bindet? Gott weiß, dass wir Erlösung brauchen. Ob wir uns danach sehnen, dass er wiederkommt oder ob wir dem skeptisch gegenüberstehen – er weiß es besser.

In der kirchlichen Tradition ist die Adventszeit eine Zeit der Buße. Eine Zeit, in der wir unser Leben überdenken können. Wo wir kritisch mit uns selbst sein dürfen. Aber es ist auch eine Zeit der Freude. Freude über die Erlösung, die uns Jesus Christus bringen wird. Und die er schon gebracht hat, als er als Kind in einem Stall in Bethlehem auf die Welt gekommen ist und für uns sein Blut am Kreuz vergossen hat. Darin hat er uns gezeigt, wie bitter nötig wir seine Erlösung haben. Und er zeigt uns auch, wie es am Ende der Zeiten sein wird. Wir wissen, wie es sein wird, weil wir wissen, wie es war, als er zum ersten Mal auf diese Welt kam. Was für ein Geschenk hat uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus gemacht? Wie unfassbar ist das, dass wir dieses Geschenk an Weihnachten feiern dürfen?

Gedankenanstöße

  • Wie bereitest du dich auf die Wiederkunft Christi vor? Kann man sich darauf überhaupt vorbereiten?
  • Die vier vorgestellten Reaktionen auf Angst kennt wohl jeder in seinem Leben. In welcher Situation reagierst du sinnvoll auf Angst, in welcher nicht? Wie kannst du daran arbeiten?
  • Die Epistel aus Jakobus 5,7-8 mahnt uns zur Geduld. „So seid nun geduldig bis zum Kommen des Herrn.“ Wie kann Geduld gelingen, ohne dabei in Trägheit zu verfallen?

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