„Die ewige Stadt“ (Ewigkeitssonntag, 24.11.2019)

ELKG 073 • Mt 25,1–13 (Lut 17, Elb 06)

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Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Vers 13

Das Gegenteil von wachen ist pennen. „Pass auf, dass du deine eigene Auferstehung nicht verpennst!“ – So mag ein Unteroffizier den Gefreiten zur Pünktlichkeit mahnen. Doch ist es das, worum es Jesus geht?

„Batterie: Stillgestanden!“ Zack! Die Soldaten nehmen „Grundstellung“ ein. „Augen: rechts“. Zack! Alle Köpfe gehen in die richtige Richtig. Der Spieß macht dem Batteriechef Meldung: „Herr Hauptmann: 4. Batterie zur Befehlsausgabe angetreten!“ „Danke, Herr Hauptfeldwebel“ erwidert der Offizier, „Morgen, Soldaten!“ ruft er in Richtung der Front. „Morgen, Herr Hauptmann!“ antworten seine Leute im Chor. „Rührt euch!“ Die Soldaten stellen sich etwas entspannter hin (mit der Betonung auf „etwas“ und genau nach ZdV 3/2 Nr. 306, bitte sehr!) Der Spieß reiht sich ein, das Briefing beginnt.

Was soll das alles? – Nun, diese soldatische Etikette inszeniert das Einnehmen einer Haltung von Aufmerksamkeit. Dazu gehört eine gewisse Anspannung. Wer als Team zusammenarbeiten will, muss sich sich absprechen und koordinieren, damit alle am gleichen Strang ziehen und den gemeinsamen Auftrag erfüllen. Wenn jemand unaufmerksam ist, „pennt“, kann es sein, dass er Absprachen und Ansagen nicht mitbekommt. Stellt euch einen Soldat vor, der gepennt hat und nicht weiß, wo der Treffpunkt ist. Am Ende der Übung sitzen die Kameraden schon beim Bier. Er klopft, und von drinnen kommt: „Was willst du denn? Auch schon da?“

Das ist so ungefähr das, was der Bräutigam in Jesu Geschichte sagt:

Wahrlich ich sage euch: Ich kenne euch nicht!

Vers 12

Nicht eine einfache Tugend (Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder der gleichen), sondern eine ganze Lebenshaltung will uns Jesus mit seinem Gleichnis vermitteln. Zum Christenleben gehört ein gewisses Maß an freudiger Anspannung. Ich sehe das zum Beispiel, wenn ich von der Kanzel auf die Gemeinde schaue und Menschen mit geschlossenen Augen gespannt hinhören. Darin kommt Wertschätzung für meine Arbeit zum Ausdruck, sicherlich. Aber um mich reden zu hören, gehen die Leute nicht in die Kirche, sondern die Gemeinde rechnet damit, dass Gott ihr etwas zu sagen hat. Diese Menschen lauschen gespannt auf sein Wort an sie.

Freudig ist diese Anspannung, weil wir Christen wissen, dass diese Welt zu Ende geht. Wie die Soldaten wissen, dass jede Übung zu Ende geht (und es im Lager eine Flasche Bier gibt oder zwei), wissen wir, dass das Himmelreich kommt. Dort hat Jesus ein Lager für uns bereitet und wir werden Gemeinschaft haben mit ihm. Deswegen lohnt es sich, hinzuhören, wenn er etwas sagt. Er weiß, wo es langgeht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“.

Gedankenanstöße

  • Welche Beispiele findest du in deinem Alltag für die „freudige Anspannung“?
  • „Freudige Anspannung“ kann leicht in „nervige Verkrampfung“ oder gar „religiöse Verstockung“ umschlagen. An welche Beispiele würdest du da denken?

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