„Glaube und Werke“ (18. So. n. Trinitatis, 20.10.2019)

Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

ELKG 063 • Jak 2,14–26Luther 2017Neue Genfer Übersetzung

In der Kirche gibt es so viele Menschen, die sich gerne und viel engagieren. Meistens sind es immer dieselben Menschen, die man sowohl am Sonntag im Gottesdienst als auch unter der Woche in verschiedenen Gemeindekreisen sieht. Es ist wunderbar zu sehen, wenn Menschen die Gemeinschaft mit Gott und ihren Mitmenschen suchen und sich nicht zu schade sind, auch am Gartentag die Harke in die Hand zu nehmen. Andere Menschen sind in Gedanken mit dabei und tragen die Kirche im Gebet und auch in finanzieller Hinsicht. Was in der Kirche „Früchte des Glaubens“ genannt wird, wird hier deutlich.

Was aber, wenn diese Früchte ganz anders aussehen? Letzte Woche haben die Medien durch eine Schreckensmeldung aus Halle/Saale auf sich aufmerksam gemacht: Ein rechtsextremistisch und antisemitisch eingestellter Mann hat nach dem misslungenen Versuch, das Jom Kippur-Fest in einer Synagoge gewaltsam zu durchbrechen, auf seinem Weg wahllos zwei Menschen erschossen. Auch hier steht hinter dem Tun ein Glaube – doch ein völlig fehlgeleiteter.

Wie ist das also mit dem Glauben und den Werken? Auf den ersten Blick scheint das völlig eindeutig: Die Kinder lernen schon im Konfirmandenunterricht Röm 3,28 auswendig: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ Werke machen uns vor Gott weder besser noch schlechter. So schön es auch ist, wenn Menschen in der kirchlichen Arbeit engagiert sind: Unsere Botschaft als Kirche lautet „allein durch den Glauben“. Das fällt uns oft schwer zu akzeptieren, denn die Haltung ist oft doch eher eine andere. „Die war letzten Dienstag schon wieder nicht beim Chor…“, „Herr XY ist nach dem gemeinsamen Mittagessen so schnell verschwunden, er hätte doch die Tische noch mit abbauen können. Der ist doch noch jung…“ usw. Da kommt einem eine Bibelstelle wie der heutige Predigttext gerade recht.

Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. – Jak 2,26

Da treffen zwei Denkwelten aufeinander, die sich schlecht miteinander vereinbaren lassen. Paulus hebt die Gewissheit der Gnade Gottes allein aus Glauben hervor, während  Jakobus (auch) in der Frage der Rechtfertigung das Miteinander von Glauben und Werken betont.

Es wäre einfacher, wenn man dem Glauben auch mit guten Taten auf die Sprünge helfen und so den ein oder anderen Glaubenszweifel mit Arbeit überbrücken kann. Doch was ist die Kehrseite der Medaille? Wie kann ich je gewiss sein, dass die guten Taten, die ich tue, genug sind, um mich vor Gott gut dastehen zu lassen? An genau diesem Punkt war Martin Luther und hat unter diese Frage einen Schlussstrich gezogen: Vor Gott kann der Mensch nur dastehen, wenn Gott das selbst vollbringt. Menschliche Werke können gar nichts ausrichten, sondern allein der Glaube, der durch den Heiligen Geist und damit Gott selbst im Menschen wächst, kann das bewirken. Damit können und sollen wir uns trösten lassen. Und was ist mit Jakobus? Die lutherische Kirche hat sich klar für die paulinische Linie ausgesprochen. Dennoch haben im Leben eines Christen auch Werke ihren Platz. Auch gute Werke gehören zum Leben eines Christen, aber niemals als Bedingung für die Gnade Gottes. Die Gnade Gottes und der Glaube kommen zuerst – die Werke (und seien sie auch noch so klein, unscheinbar und unbedeutend) kommen danach.    

So kommt auch Paulus zu dem Schluss, dass man den Baum an seinen Früchten bzw. den Glauben an seinen Werken erkennt. Das gilt auch für den Attentäter aus Halle/Saale, dessen Werke auf einen fehlgeleiteten Glauben hinweisen. Kein Glaube an den liebenden Gott, sondern ein verdrehtes Welt-, Menschen- und Gottesbild zeigt sich in einer solchen Tat. Es ist schwer nachvollziehbar, dass die Liebe Gottes so tiefgreifend und umfassend ist, dass er auch diesen Menschen mit einschließt. Schließen wir ihn in unsere Gebete mit ein, damit er von Liebe und nicht von Hass geleitet wird.

Gedankenanstöße

  • Wie geht es dir mit dem Gedanken, dass Gottes Liebe auch Menschen wie den Attentäter aus Halle/Saale mit einschließt? Ist das ein befremdlicher oder tröstlicher Gedanke für dich?
  • Wie siehst du das Verhältnis von Glaube und Werken in deiner Gemeinde? Welche Impulse könntest du in deine Gemeinde einbringen, die den Glauben wichtiger machen als die Werke?
  • In vielen biblischen Geschichten spielt das Verhältnis von Glaube und Werke ebenfalls eine Rolle. Welche fallen dir ein und was macht diese Geschichte deiner Meinung nach besonders?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.