„Sieghafter Glaube“ (17. So. n. Trinitatis, 13.10.2019)

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ELKG 062 • Jos 2,1–21Luther2017Elberfelder

Die ganze Geschichte hat etwas von einem Krimi. Ein Geheimnis jagt das nächste. Ständig  ist von „heimlich“ und „sich verbergen“ die Rede. Und wie oft wird in einer biblischen Geschichte den Abgesandten eines Königs schon frech ins Gesicht gelogen?

Aber die Frau nahm die beiden Männer und verbarg sie. […] Und ehe die Männer sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen hinauf auf das Dach und sprach zu ihnen: Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat.

Wie lassen sich Heimlichkeiten und Lüge mit dem Plan Gottes für die Menschen zusammendenken?

Josua ist mit den Israeliten unterwegs, um nach dem gewaltigen Auszug aus Ägypten und 40 Jahren in der Wüste nun schließlich ins gelobte Land Kanaan einzureisen. Jericho ist die erste Stadt, auf die die Israeliten in Kanaan stoßen und die es nun einzunehmen gilt.

Die Eroberungsgeschichten im Buch Josua sind kriegerisch und haben mitunter märchenhaften Charakter. Die Mauern Jerichos fallen, nachdem die Israeliten sieben Tage lang mit Posaunenklang um die Stadt herumgezogen sind (Jos 6). Diese Geschichten wurden schriftlich festgehalten, als sich die Israeliten im babylonischen Exil befanden. In einer Situation der Ausweglosigkeit und Angst haben sich die Israeliten in Babylon neu auf sich und auf ihre Geschichte besonnen. Sie haben sich an die großen Taten erinnert, die Gott an ihnen getan hat, als sie aus Ägypten geflohen sind und als sie in das Land Kanaan kamen. Nach heutigem Stand der Forschung muss man davon ausgehen, dass die Erzählungen um die Eroberungen von Jericho und anderen kanaanäischen Städten historisch nicht in der Weise abgelaufen sind, wie dies in der biblischen Geschichte geschildert wird. Die Israeliten haben stattdessen friedlich mit den Kanaanäern zusammengelebt, statt sich kriegerisch gegen eine Übermacht zu behaupten.

Die Israeliten nehmen das Handeln Gottes an ihnen in besonderer Weise wahr. Interessanterweise auch durch Gestalten wie die Hure Rahab, die zwei Kundschafter der Israeliten in ihrem Haus versteckt und die man in einer Eroberungsgeschichte nicht ohne Weiteres erwarten würde. Die Kundschafter wurden von Josua heimlich losgeschickt, um das neue Land zu erkunden. In Jericho angekommen, werden sie von Rahab auf dem Dach versteckt, während Rahab die Boten des Königs von Jericho mit einer Lüge (die Israeliten hätten die Stadt durch das Stadttor längst wieder verlassen) in die Irre führt. Nachdem die Israeliten Jericho durch eine waghalsige Rettungsaktion verlassen hatten, sollten sie sich nach Rahab noch drei Tage im Gebirge verstecken, bevor sie zu ihrem Volk zurückkehren. Es hat etwas von einem Katz- und Mausspiel.

Gott hatte den Israeliten bzw. ihren Vätern dieses Land versprochen. Die Ansprüche auf das Land sind berechtigt. Doch den Israeliten im Exil ist auch deutlich bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten – sich lieber an fremde Götter zu richten, als an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – dieses Recht verspielt haben. Heimlichkeiten, Fremdgehen und Lüge haben in der Beziehung zu Gott keinen Platz. In der Geschichte um Rahab und um die Stadt Jericho ist es jedoch Gott selbst, der Verborgenheit und Lüge nutzt, um seinem Volk Israel beizustehen. Der Impuls zu diesen drastischen Maßnahmen kann nicht (allein) von Menschen kommen, sonst wären sie nicht Teil von Gottes Plan mit seinem Volk. Gerade hier gilt es, aufmerksam zu sein, wann Versteck und Lügen der Ehre Gottes dienen und wann der Eigensucht des Menschen.

Gedankenanstöße

  • Bei der Frage nach Lügen im Auftrag Gottes wird dem aufmerksamen Kirchgänger sicherlich sehr mulmig zumute und man erinnert sich an das 8. Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Wie kann beides nebeneinander stehen bleiben?
  • Auch die Heimlichkeit und die Verborgenheit, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen, ist in unseren Tagen ein viel diskutiertes Thema. Ist es nicht gottgefälliger, in einer Verfolgungssituation das Martyrium im Namen Gottes auf sich zu nehmen, statt wegzulaufen? Wie kann diese Geschichte uns helfen, mit den heutigen Verfolungungssituationen umzugehen?
  • Jericho erhält seine „gerechte“ Strafe für die Weigerung, sich nach Gottes willen zu richten und wird zerstört – allerdings erst später (Jos 6). Gibt es einen „rechten Zeitpunkt“, in dem standhaftes Auftreten als Christ angemessen ist und einen „rechten Zeitpunkt“, in dem Weglaufen im Namen Gottes angesagt sein kann?

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