„Der starke Trost“ (16. So. n. Trinitatis, 6.10.2019)

ELKG 061 • Joh 11 (Lut 17, Elb 06)

Die Auferweckung des Lazarus’: Das ist der Gegenstand des Predigtabschnittes für den kommenden Sonntag. Ich habe zwei Filmtips für euch, die beide über das Leben Jesu sind, es aber aus ganz anderen Richtungen betrachten.

Filmplakate (zugeschnitten)

In diesem Beitrag bespreche ich zwei Filmausschnitte. Sie finden sich auf Youtube hier („Greatest Story…“) und hier („Last Temptation…“) . Sie vorher zu gucken ist nicht notwendig, aber wenn du die Zeit hast, macht es die Wahrnehmung dieses Beitrags bestimmt intensiver. Der Ausschnitt aus „The Greatest Story…“ ist recht lang, denn der Film ist (für unsere heutigen Maßstäbe!) sehr langsam erzählt.

Dieser Beitrag stammt fast wörtlich aus meiner Katechetischen Hausarbeit zum Zweiten Examen. …und jetzt sag doch noch einer, akademische Arbeit hätte keine praktische Relevanz 😉

Wenn ich an die Auferstehung des Lazarus’ denke, stehen mir sofort zwei beeindruckende Kino-Bilder vor Augen. In „The Greatest Story Ever Told“ (USA 1965) von Regisseur George Stevens gibt Max von Sydow den Jesus Christus. Aus diesem Film ist mir eine Panorama-Einstellung im Gedächtnis geblieben. Der Regisseur experimentiert sichtlich mit dem damals noch neuen CinemaScope-Format. Das Bild ist eine Mittelgrund-Hintergrund-Komposition, die bestimmt wird von einem Weg, der vom Tor in einer Mauer zu Lazarus’ Grab führt. Es kommt zum Ausdruck, dass das Leben der Weg von der Geburt zum Tod ist. Das Bild könnte ein „frommes“ Wandgemälde aus dem 19. Jh sein (Youtube).

Stevens’ Panorama-Einstellung aus The Greatest Story Ever Told (USA 1965)

In Martin Scorseses „The Last Temptation of Christ“ (USA 1988) sehen wir Willem Dafoe als Jesus aus Lazarus’ Perspektive: ein Umriss im Eingang des Grabes. Er ruft uns, leise und eindringlich: „Lazarus. Lazarus… in the name of the most holy God I call you here“. Dann kniet Christus nieder und wartet. Plötzlich streckt Lazarus’ seine verweste Hand aus dem Grab, ihm entgegen. Alle erschrecken sich. Auch Jesus (Youtube).

Willem Dafoe als Christus The Last Temptation of Christ (USA 1988)

In der Theologie reden wir von „Christologie von unten“ und „Christologie von oben“. Scorseses Christus betont die Wahrer-Mensch-Seite: Christus ringt mit Zweifeln und ist regelrecht überrascht von seiner Gottheit, genau wie die Umstehenden. Sydows Christus spricht in ungebrochener Selbstsicherheit. Gegen die biblische Vorlage ist Martas Anrede an ihn kein Bekenntnis (Joh 11,21), sondern ein Vorwurf: „You made a leper well. You made a cripple walk. Was it too much to ask, that you keep my brother from dying? [Why did you not come] when he needed you?“ Die Frage nach dem persönlichen Leid leuchtet hier auf. Als Antwort legt der Drehbuchautor Christus die Verse 25–26 in den Mund, mit dem „Ich bin“-Wort als Zentrum. Wir sehen Christus in Großaufnahme, den Text der King James Bible wortwörtlich zitierend. Im englischen Original ist das an überdeutlich durch die Personalpronomen (thy, though statt your, you) und den Verbalendungen (‐th statt ‐s für Verben der 3. Pers. Sg: believeth, liveth, Filmausschnitt an dieser Stelle).

Max von Sydow als Christus in: „The Greatest Story Ever Told“, USA 1965.

Jesus weint, doch nicht der Schatten eines Zweifels spricht aus dieser Komposition. Wir sollen uns nicht mit dem Menschen Jesus identifizieren, sondern wir, die Kinobesucher, erfahren Zuspruch durch den wahren Gott. Es besteht übergangsloser Zusammenhang zwischen Film- und Gottesdienstsprache, ja der Sprache der Bibel. „The Greatest Story…“ ist Evangeliumslesung. „The last Temptation…“ ist Glaubenszeugnis und Predigt.

Es kommt der Tag, da wird Christus auch dich aus deinem Grab rufen, liebevoll, zärtlich, aber bestimmt und selbstsicher. Du hattest ihn hineingezogen in deinen Tod aus Sünde und Verwesung, aber er hat den Tod überwunden. Er hat dir vergeben und ruft dich jetzt. Er möchte, dass du bei ihm bist in der Ewigkeit:

Wach auf, der du schläfst,
und steh auf von den Toten,
so wird dich Christus erleuchten!

Eph 5,14

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