„Der barmherzige Samariter“ (13. So. n. Trinitatis, 15.9.2019)

ELKG 058 • Mk 3,31–35 (Lut 17, Elb 06)

Christusfigur von Max Uecker, 1965. Bethlehemgemeinde, Bremen. Foto: D. Vorberg.

Das muss für Jesu Verwandte ganz schön hart gewesen sein:

Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: „Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder“.

Vers 34

Wir sind von Jesus nicht gewöhnt, dass er zu jemandem so schroff ist. Insbesondere gegenüber seiner Mutter würde man das nicht erwarten. Was hat es damit auf sich?

Jesu „Mutter und Brüder“ kamen, um nach Jesus zu sehen. Vers 34 nennt in vielen Handschriften auch noch „Schwestern“. Es fällt auf, dass seine Familie aufgezählt wird, aber Joseph fehlt. Schon ganz frühe Ausleger gehen davon aus, dass er gestorben war. „Die seinen“ müssen sich Sorgen um Jesus gemacht haben (vgl. Vers 21!): Sie verstehen nicht, warum er seine Rolle eines Wanderprediger und Wunderheiler so furchtbar ernst nimmt. Und außerdem: Also, ich weiß ja nicht, wie das bei Jesus war, aber wenn das meine Familie wäre, würden sie sich im Stich gelassen fühlen. Als ältestem Sohn wäre ihm die Rolle des Familienoberhaupts zugefallen, zusammen mit der Führung des elterlichen Betriebs.

Man könnte hier fast den Eindruck haben, Jesus sei genervt von seinen Angehörigen, als sei er enttäuscht darüber, dass sie seinen göttlichen Auftrag nicht sehen können. Es könnte einem so vorkommen, als sei er ihnen böse, dass sie nur an sich denken und nicht an die Menschen, denen Jesus dienen will. Und das sind immerhin alle Menschen! – Das stimmt aber nicht! Das ist eine moderne Sicht auf Jesu Verhalten. Die ersten Leser des Markus-Evangeliums hätten Jesus’ Verhalten und das, was er sagt, nicht auf seine Gefühlslage hin wahrgenommen, sondern als das, was es ist: Eine prophetische Zeichenhandlung.

Die Propheten des Alten Testaments haben oft nicht einfach nur für Gott geredet, sondern ihre Prophetensprüche mit Zeichenhandlungen untermalt. Man denke zum Beispiel an Moses, der seinen Stab über das Rote Meer hebt. Bei Jeremia ist die Zeichenhandlung Teil der Offenbarung, die er von Gott für das Volk erhält:

Und du sollst den Krug zerbrechen vor den Augen der Männer, die mit dir gegangen sind, und zu ihnen sagen: „So spricht der Herr Zebaoth: Wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, daß es nicht wieder ganz werden kann, so will ich dies Volk und diese Stadt zerbrechen…“

Jer 19,10–11a

Auf ähnliche Art und Weise macht Jesus hier klar, was er uns mitteilen will: Nicht Blutverwandschaft (nicht einmal seine eigene!) ist das Wesentliche in der Beziehung zu Gott, sondern die, die um Jesus versammelt sind, sind seine wahren Verwandten. Sie hören, was Jesus zu sagen hat und haben mit ihm Gemeinschaft.

Gedankenanstöße

  • Was heißt das in deinem Leben konkret: Um Jesus versammelt zu sein? Sicherlich fällt einem der Gottesdienst ein. Doch wie kann ein Gottesdienst das leisten?
  • Elegant habe ich den letzten Vers ausgelassen: „Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter“. Ouch! Hängt es also an uns und dem, was wir tun, ob wir zu Jesus gehören oder nicht? Wie hängt das in deinem Leben zusammen: um Jesus versammelt zu sein und den Willen Gottes zu tun?

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