„Früchte des Geistes“ (8. So. n. Trinitatis, 11.8.2019)

ELKG 053 • Jes 2,1–5 (Lut 17, Elb 06)

Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen machen
und ihre Spieße zu Sicheln.
Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 

Kommt nun, ihr vom Hause Jakob,
lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Verse 4b und 5
Uffz Vorberg beim Scharfschießen, Januar 1999.

Ich bin ausgebildet im Kriegshandwerk und ich habe andere im Kriegshandwerk ausgebildet. Ich habe gelernt, Menschen zu töten und ich habe anderen beigebracht, Menschen zu töten. Als ich bei der Bundeswehr war, war mir das sehr bewusst, auch wenn ich damals mit Glauben noch nicht so viel am Hut hatte, wie heute. Mir war aber auch da schon klar, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein soll, oder wenigstens, wie sie sein könnte. Die Armeen der Welt sind Ausdruck eines Mangels, und nicht Ausdruck irgendeiner Glorie.

Wenn ich dem 8. Sonntag nach Trinitatis einen Namen geben sollte, würde ich ihn „Lichtsonntag“ nennen. „Licht“ ist das Stichwort, das alle Lesungen miteinander verbindet:

  • Jesaja sagt den Israeliten, sie sollen die Chance nutzen, und Gott um Rat fragen. Er ist in ihrer Mitte. „…lasst uns wandeln im Licht des HERRN!
  • Paulus schreibt den Ephesern: „Lebt als Kinder des Lichts!“
  • Und das Evangelium ist die Zusage Jesu an seine Hörer: „Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt“.

Christus sagt: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Mk 1,15). Nur: Wo ist es denn? Wir haben immer noch Armeen und wir brauchen sie auch. In einer Welt, wie der unseren, wäre es töricht, auf Verteidigung zu verzichten. Wie sollen wir da „Licht der Welt“ sein und „im Licht wandeln“?

Ich denke, zwei Dinge spielen hier zusammen: Wer im Licht steht, kann klar die eigenen Schattenseiten wahrnehmen und benennen. Wer mit Christus im Licht steht, weiß aber, dass er als Erlöster auf diese Schattenseiten blickt. Das heißt, dass man sie nicht überspielen muss mit eigenem Glanz und Gloria, sondern sie vor sich selbst, vor den Mitmenschen und vor Gott eingestehen kann. Diese Freiheit erlaubt es, nach dem Willen Gottes richtig zu fragen.

Ich halte es für einen legitimen christlichen Standpunkt, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Ich halte es für ebenso legitim, den Dienst an der Waffe als Christ zu tun. Letzteres ist aber der schwerere Weg. Man begibt sich in die Situation, Schuld auf sich zu laden. Man nimmt das eigene Leben in die Hand und auch das Leben derjenigen, auf die man die Waffe richtet. Der christliche Soldat hat keinen Platz für Selbstgerechtigkeit: Er weiß, dass er für jeden Befehl, für jeden Gehorsam, ja für jede Entscheidung belangt werden wird. Vor einem Kriegsgericht? Nein. Vor seinem Herrn. Nicht nur leiblich, sondern auch geistlich gesehen ist der Kriegsdienst der gefährlichere Weg. (Siehe auch: Dietrich Bonhoeffer: „Nachfolge“, insb. im ersten Teil der Abschnitt „Der einfältige Gehorsam“, S. 69ff.)

Gedankenanstöße

  • Als es noch Wehrpflicht gab, war die Frage nach dem Dienst an der Waffe ein echtes Thema für viele junge Christen. (Nun ja, für manche wohl auch eine Ausrede, um Zivieldienst in der Nähe von zu Hause zu machen.) Welche schwerwiegenden ethischen Entscheidungen hast du in deinem Leben oder Beruf zu treffen? Oder hast sie schon getroffen? Warum?
  • Bonhoeffer benutzt nicht den Dienst an der Waffe, sondern Reichtum und Besitz als Beispiel in der „Nachfolge“. „Verkaufe alles, was du hast, gib das Geld den Armen und folge mir nach!“ (Lk 18,22) – Dieses Wort Jesu an den „Reichen Jüngling“ sei im Grunde an alle Christen gerichtet. Das ist keine Übertreibung! Jesus sagt nämlich auch: „Es kommt eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich!“ (Mt 19,24) Das fanden die Jünger ein hartes Wort und „entsetzten sich“ (V. 25). Wir, hier in der westlichen Welt, sind die reichsten Reichen auf der Erde. Wie vereinbarst du das mit deinem Gewissen?
Foto: Wikipedia-User:Neptuul CC BY-SA 3.0. “Let Us Beat Swords into Plowshares”, sculpture by Yevgeny Vuchetich, garden of the United Nations Headquarters in New York City.

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