„Ich bin das Brot des Lebens“ (7. So. n. Trinitatis, 4.8.2019)

ELKG 052 • Joh 6,30–35 (Lut 17, Elb 06)

Foto: D. Vorberg

Unsere Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht: „Mose gab ihnen Brot vom Himmel zu essen“. Was für ein Werk tust du?

nach Vers 30

Gestern hatte Jesus mit fünf Broten und drei Fischen 5.000 Leute satt gemacht. Heute stehen wieder Leute vor Jesus und bitten ihn um Zeichen. Warum?

Die Großmutter erzählt dem Enkel eine Geschichte aus dem Krieg: Eine Seifenfabrik wurde von einer Bombe getroffen. Seife wird aus Fett gemacht, das mit Glycerin behandelt wird. Das Fett lief tonnenweise in die Abwasserkanäle. In der ganzen Stadt kam es aus den Gullys, weil es ja auf dem Wasser oben schwamm.

Die Oma erzählt: „Da haben die Leute Schüsseln und Töpfe genommen und sind losgegangen, das Fett aufzusammeln“.

„Aber Oma! Was wollten die Leute denn mit diesem Fett?“

„Na, um ihre Bratkartoffeln damit zu braten!“

In dem Moment begriff der Enkel, was „Hunger“ bedeutet: Dass Menschen so viel Hunger haben können, dass sie Fett verwenden in ihrer Küche, in ihren Töpfen und Pfannen, für ihr Mittagessen, das auf der Kloake obenauf geschwommen hatte. So viel Hunger kann man haben.

Die Israeliten beschweren sich bei Mose, dass er sie von den „Fleischtöpfen Ägyptens“ weggeführt habe. Deshalb kommen sie uns leicht undankbar vor:

„Jetzt hat ihnen Gott die Freiheit geschenkt
und sie beschweren sich über das Essen!“

Doch dabei vergessen wir leicht: Die Leute hatten richtig Hunger!

Auch die Menschen, die Jesus in unserem Predigtabschnitt gegenüberstehen, sind nicht dumm oder aufmüpfig. Sie haben die „Speisung der 5.000“ wohl gesehen. Sie wissen, dass Jesus mächtig ist und von Gott gesandt, aber sie wissen ihn nicht richtig einzuordnen. Sie möchten fragen:

„Bist du einer der Propheten?“
„Bist du ein neuer Mose?“
„In welche Schublade dürfen wir dich einsortieren?“

Jesus antwortet und sagt:

Ich bin das Brot des Lebens.

Vers 35

Das heißt, dass er etwas ganz anders und neues ist. Nicht seine Funktion ist das Wesentliche, sein prophetischer Auftrag oder seine königliche Autorität, sondern er selbst, als Mensch und Person, ist das Wunder, das uns vor Augen ist.

Gedankenanstöße

  • Wie verhält sich Jesu Selbstverständnis, selbst (als Mensch und als Person) das Wunder zu sein, zu dem Anspruch anderer großer Menschen?
  • Wie unterscheidet sich unsere Haltung gegenüber Jesus zu der Haltung, die wir gegenüber Ideen, Lehren und Prophezeiungen und deren Erfinder, Lehrern und Propheten haben?
  • Lehre und Prophetie kann man aufschreiben, damit sie für die Zukunft erhalten bleiben. Wie ist das bei Jesus? (Und was bedeutet das für unsere „Heilige Schrift“?)

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