„Der rettende Ruf“ (5. So. n. Trinitatis, 21.7.2019)

ELKG 050 • Mt 9,35–10,1(2–4)5–10Luther 2017Elberfelder

Foto: D. Vorberg

Umsonst habt ihr’s empfangen,
umsonst gebt es auch.

Aus Vers 8

Das Wasser, das aus der Leitung kommt, hat keinen Preis. Man zahlt bei den Stadtwerken nicht für das Wasser, sondern für die Bereitstellung des Wassers. Was soll das? Und was hat das mit dem Dienst der Pastoren zu tun?

Es kamen Wissenschaftler zu Gott und sagten: „Wie hast du das gemacht, als du den Menschen erschaffen hast?“ „Nun“, sagt Gott, „ich habe Erde genommen, einen Menschen geformt und ihm Atem gegeben.“ „Das können wir auch“, sagen die Wissenschaftler. „So?“ sagt Gott, „dann zweigt mal her!“. Da nahmen die Wissenschaftler Erde und wollten anfangen, einen Menschen zu machen, doch Gott sagte: „Hey! Macht euch eure eigene Erde!“

Es gibt einen Unterschied zwischen Strom und Gas, auf der einen, und Wasser auf der anderen Seite: Strom stellen wir Menschen her, indem wir Elektrizitätswerke betreiben. Gas und andere Bodenschätze werden mit demjenigen abgerechnet, dem das Land gehören, wo sie gefunden werden. (Das ist Tradition. Man könnte mal fragen, warum das eigentlich so ist). Für Wasser aber gilt: Die Stadtwerke liefern dir nicht „ihr eigenes Wasser“, also Wasser, das sie hergestellt haben. Sie liefern dir das Wasser, das sie vorgefunden haben. Dir für das Wasser selbst eine Rechnung zu schreiben, wäre so lächerlich, wie dir eine Rechnung für die Luft zu schreiben, die du atmest. Dafür, dass sie Rohre gelegt, Kontrollen durchgeführt und Zisternen gewartet haben, sollen die Stadtwerke bezahlt werden, keine Frage, aber das Wasser können sie nicht verkaufen, denn es ist nicht ihrs.

Genau so ist es mit den heiligen Dingen auch: Nicht der einzelne Christ, nicht der Pastor und auch nicht die Kirche machen, was sie austeilen: Gottes Wort, Jesu Leib und Blut im Abendmahl, seine Zuwendung und sein Bekenntnis zu dir in der Taufe. Die Kirche hat hier die Rolle der Stadtwerke: Wir feiern Gottesdienste, formulieren Lehre und und Predigten und gestalten die Begegnung der Christen untereinander. Aber das Eigentliche, das heilige Wesen, das sich in und unter diesen ganz weltlichen Dingen verbirgt, schenkt uns Gott. Zu den Wissenschaftlern in dem kleinen Witz oben sagt Gott:

„Hey! Macht euch eure eigene Erde!“

Zu uns sagt er:

„Nimm hin und iss: Dies ist mein Leib… dies ist das neue Testament in meinem Blut“.

„Dies ist das Wort des Herrn, des Herrn Zebaoth…“

Gott schenkt uns das seine. Das ist, was die Kirche zur Kirche macht, nicht die Pastoren, die Kirchenleitung oder die Gebäude.

Gedankenanstöße

  • Wie die Stadtwerke (z.B.) für Rohre, Kontrollen und Zisternen bezahlt werden müssen, gilt dies in der Kirche für Pastoren, Kirchenleitung, aber auch Gebäude und Einrichtungen. Wie wirkt es sich auf dein Verhältnis zu diesen Dingen aus, wenn sie das Eigentliche nicht für dich machen, sondern nur „bereitstellen“?
  • Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Ein Arbeiter ist seiner Speise wert“. Immerhin! Bei Jesus klingt es so als hieße das, der „Arbeiter“ hätte nicht mehr als Speise verdient. Gilt das auch noch für die Vergütung unserer Pastoren?
  • Dies ist eine Frage, die in der Christenheit (und der SELK!) breit diskutiert wird: Wer sind die zwölf Jünger heute? Nur die Pastoren, weil es gerade zwölf berufene Jünger sind? Oder die ganze Kirche, weil es zwölf Jünger sind, die für das ganze Gottesvolk unter dem neuen Bund stehen? — Wenn Du zwischen diesen beiden Polen dich bewegst: Was für Auswirkungen hat das auf deine Haltung gegenüber deinem Pastor? Wie siehst du unter den jeweiligen Vorzeichen deine eigene Rolle in der Kirche und im Gottesdienst?
  • Über das Predigtamt und die Kirche lohnen sich weiter zu lesen, die Artikel 5 und 7 des Augsburger Bekenntnisses, ELKG S. 1240 und 1241f.

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