„Das Wort von der Versöhnung“ (3. So. n. Trinitatis, 7.7.2019)

ELKG 048 • 1.Tim 1,12–17 • Luther 2017Elberfelder

Schützt Unwissenheit vor Strafe? Der Apostel Paulus nennt seine Unwissenheit hier als Begründung für seine Zeit als Christenverfolger und die Barmherzigkeit, die ihm daraufhin von Gott widerfahren ist.

Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. (V. 12-13)

Wie kommt es, dass Paulus von Gott nicht zur Verantwortung für seine Taten gezogen wurde? Ist das nicht ungerecht?

Würde man die Taten, die Paulus als Christenverfolger getan hat, gegen die Barmherzigkeit Gottes aufrechnen, müsste man tatsächlich von einem ungerechten Urteil sprechen. Auch Paulus selbst weiß das:

Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. (V. 15)

Paulus bezeichnet sich selbst als den „ersten“ Sünder, was hier soviel heißt wie: Der „größte“ Sünder von allen. Er hat es in Unwissenheit getan – aber zählt das als Rechtfertigung vor Gott? Nein, sicher nicht. Das einzige, was vor Gott zählt – und was der Verfasser des 1. Timotheusbriefes in diesem kleinen Abschnitt ganze 4mal explizit erwähnt – ist Jesus Christus. Er hat Paulus die Kraft gegeben, umzukehren (V. 12). Gnade, Glaube und Liebe sind in Jesus Christus unendlich gewachsen (V. 14). Er hat sich ausgerechnet Paulus als Vorbild ausersehen für alle, die an Gott glauben sollten (V. 16). Und Jesus Christus ist auf die Welt gekommen, um die Sünder zu retten (V. 15).

Dieser (oben zitierte) V. 15 fasst die ganze Botschaft, die Paulus hier mitteilen will, in einem Satz zusammen. Es geht nicht darum, Begründungen für verwerfliche Taten zu vorzubringen, wie in diesem Fall die Unwissenheit. Die Sünder zu retten schließt auch ein, dass Gott seine Treue aufs Neue an seinen Kindern erweist. Durch die Erlösung ist der Mensch frei, von Gott in seinen Dienst / in sein Amt berufen zu werden. Und der Sünder kann so sogar zum Vorbild für andere werden. Gott zeigt sich hier von seiner geduldigen Seite und das können wir nur im Lobpreis dankbar annehmen (V. 17): „Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.“

Gedankenanstöße

  • Paulus wird hier ausdrücklich als „Vorbild“ für andere Menschen vorgestellt, die auch an Gott glauben sollten (V. 16). Inwiefern wird Paulus dieser Rolle gerecht? Könnte das für die Christen, die Paulus verfolgt hat und z.T. ermorden ließ, auch problematisch sein?
  • Jesus selbst hat am Kreuz gesagt: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34) Bei beiden Stellen (Lk und 1Tim) wird Unwissenheit als Begründung dafür angegeben, dass Menschen böse handeln. Was verstehst Du unter „Unwissenheit“ und worauf liegt bei den beiden Bibelstellen jeweils der Fokus?
  • Zu Beginn des Abschnitts ist davon die Rede, dass Jesus Paulus „stark gemacht“ und „in das Amt eingesetzt“ hat. Wie geht es Dir in deinem persönlichen Amt / Beruf mit einem solchen Wort? Welche Rolle hat Gott Dir in deinem Amt / Beruf zugedacht?

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