„Die Einladung“ (2. So. n. Trinitatis, 30.6.2019)

ELKG 047 • Jes 55,1–5Luther 2017 Elberfelder

Geld ist ein schwieriges Thema in der Gesellschaft. Noch schwieriger anzusprechen, wenn keines da ist. Diese Erfahrung mussten auch schon die Menschen zu Zeiten des Alten Testaments machen.

Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! (Jesaja 55, Vers 1)

Was der Prophet Jesaja hier vorschlägt, klingt in unseren kapitalistisch geprägten Ohren wie eine Abzocke. Kaufen ohne Geld? Da zieht immer einer den Kürzeren. Das kann nicht funktionieren!

Wir leben gern nach dem Prinzip „Ich gebe, damit du gibst“ (lat. do ut des). Wenn wir etwas geben, wollen wir früher oder später doch gern etwas zurück haben. Selbst wenn es ein selbstloses und uneigennütziges Geschenk war – Hintergedanken bleiben doch: „Ich habe ihn zu seinem Geburtstag angerufen. Er hätte mir zu meinem Geburtstag wenigstens schreiben können…“ „Unser Nachbar hat letztens unsere Seite vom Gehweg mit gefegt. Sollten wir ihn nicht mal wieder zu uns einladen?“ Unsere Gesellschaft, unser ganzes Wirtschaftssystem ist auf diesem Prinzip aufgebaut. Geld für Arbeit. Lebensmittel für Geld. Und an sich ist das nicht schlecht. Es spornt an, sich Mühe zu geben bei dem, was man tut. Gutes zu tun, damit auch wieder Gutes zu uns zurück kommt. Doch was, wenn wir (zurzeit) nicht in der Lage sind zu arbeiten oder Gutes zu tun? Was, wenn das Gute für uns auf der Strecke bleibt und wir uns im Stich gelassen fühlen?

In unserer Gesellschaft springen Versicherungen ein, wenn etwas schief geht. Doch auch da muss zuvor Vorsorge getroffen werden, damit im entscheidenden Moment alles reibungslos läuft. Gute Werke tun,  Geld einzahlen, damit für den Problemfall gesorgt ist – das mag bei Menschen mehr schlecht als recht funktionieren, aber bei Gott gibt es keine solchen Hintertürchen. Bei ihm funktionieren Versicherungen nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Gott ist nicht käuflich, weil er aus freien Stücken bereits alles schenkt. Und das ohne Hintergedanken. Zwischen Gott und den Menschen wird keine versteckte Klausel zum Vorschein kommen, die zum „Nehmen“ doch noch ein „Geben“ einfordert. Stattdessen spricht Gott eine Einladung aus, mit ihm einen ewigen Bund zu schließen, der ein solches Prinzip gar nicht zulässt.

Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. (Vers 3)

Gott ruft uns zu sich, damit wir uns von ihm beschenken lassen können. Welche Versichung könnte da mithalten?

Gedankenanstöße

  • Wann hast du dir zum letzten Mal Gedanken um Geld gemacht? Welche Gefühle löst dieser Gedanke bei dir aus und warum?
  • Die meisten Menschen schließen – aus verständlichen Gründen – Versicherungen für alles mögliche ab. Was würde passieren, wenn du alle Versicherungen auf einmal kündigen würdest? Würde das an deiner Beziehung zu Gott oder zu deinen Mitmenschen etwas ändern?
  • Das Evangelium für den kommenden Sonntag steht bei Lukas 14,15-24. Es gibt einge Parallelen zwischen der Erzählung in Jesaja 55 und Lukas 14. Stelle dir beim Vergleich folgende Fragen: Was wird den Gästen bei der Einladung in Aussicht gestellt? Welche Rolle spielen jeweils Geld bzw. materielle Güter? Wer folgt schließlich der Einladung und aus welchem Grund?

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