„Apostel und Propheten“ (1. So. n. Trinitatis, 23.6.2019)

ELKG 046 • Joh 5,39–47Luther 2017Neue Genfer Übersetzung

Die Bibel wurde als Ganze inzwischen in 674 Sprachen übersetzt (Teile der Bibel in 3324 Sprachen). Viele Menschen lesen auch heute regelmäßig in der Bibel. Einige Menschen haben ihr ganzes Leben damit verbracht, die Bibel zu erforschen. Dazu zählen auch die Menschen, zu denen Jesus hier spricht:

„Ihr forscht in der Schrift, weil ihr meint, durch sie das ewige Leben zu finden. Aber gerade die Schrift weist auf mich hin.“ (Joh 5,39 in der Neuen Genfer Übersetzung)

Die angesprochenen Personen im Text sind fleißige Bibelforscher. Sie untersuchen die Texte, lesen sehr viel, denken über das Gelesene nach und sind mit Ernst bei der Sache. Der Evangelist Johannes schreibt hier, dass sie sich von ihrem Bibelstudium alles erwarten. Wenn sie sich an all das halten, was die Gesetzestexte von ihnen verlangen, dann werden sie das ewige Leben bekommen.

Ein bisschen früher im selben Kapitel wird von einem Mann berichtet, der 38 Jahre lang krank war und nie schnell genug in das Wasser des Teiches Betesda kam, um wieder gesund zu werden. Jesus heilt ihn und wird von ebendiesen Bibelforschern dafür verurteilt, dass er dies an einem Sabat gemacht hatte. Ein heiliger Tag, an dem es nach den Gesetzestexten nicht erlaubt ist, schwere Arbeit zu verrichten – geschweige denn jemanden zu heilen. Der Kranke hat – zumindest soweit wir das aus dem Text erahnen können – nicht jeden Tag in den heiligen Schriften gelesen und geforscht. Es war nicht das Forschen in der Schrift, das ihn gesund gemacht und zum ewigen Leben geführt hat. Jesus hat ihn geheilt.

Überspitzt formuliert liegt nun die Frage auf der Hand, ob Jesus dagegen ist, dass Menschen in der heiligen Schrift forschen und das Ernst nehmen, was da steht. Aber so ist es ganz und gar nicht! Jesus möchte die Menschen gerade dazu motivieren, in der Schrift zu lesen und zu forschen. Das Ziel jedoch liegt nicht in den Texten selbst. „Aber gerade die Schrift weist auf mich hin“, sagt Jesus im oben zitierten Vers. Er gibt uns damit eine Anleitung, wie wir mit den biblischen Texten – besonders mit denen des Alten Testaments – umgehen können: Lest die Schrift! Und lest auf mich hin und von mir her! Das ist kein Freibrief, um nun wilde Spekulationen über alttestamentliche Texte anzufangen und Dinge in sie hineinzulesen. Es ist vielmehr eine Einladung, die Texte neu verstehen zu lernen. Nicht die Gesetzestexte heilen von Krankheiten und schenken das ewige Leben. Sie weisen aber auf den hin, der genau das tut: Jesus. Fazit: Wir müssen nicht alle zu Bibelforschern werden, damit Gott uns das ewige Leben schenkt. Er hat dies durch seinen Sohn Jesus Christus schon längst getan.

Gedankenanstöße

  • Im Text ist mehrfach von „Ehre“ (Luther) bzw. „Anerkennung“ (Neue Genfer Übersetzung) die Rede. Welche Art von „Anerkennung“ wird von Jesus abgelehnt (V. 44) und warum?  
  • Es ging heute darum, biblische Texte bewusst mit Blick auf Jesus zu lesen, der den Texten einen neuen Sinn verleiht. Nimm dir diese Woche einen (oder mehrere) deiner Lieblings-Bibeltexte vor und lies ihn bewusst so, dass der Text auf Jesus als Ziel hinausläuft. Vielleicht machst du an einem altbekannten Text noch eine neue Entdeckung.
  • Die das Alte Testament, d.i. die „jüdische Bibel“, auf Jesus hin zu lesen, hat einen schlechten Ruf. Die Christen, so der Vorwurf, würden jüdische Texte für ihre eigenen Zwecke umdeuten und in Anspruch nehmen. Wie siehst du das? – Und: Stell dir vor, du seist jüdisch. Wie würdest du es dann wohl sehen?

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