„Der dreieinige Gott“ (Trinitatis, 16.6.2019)

ELKG 045 • 2.Kor 13,11–13 (Lut 17, Elb 06)

Valentin de Boulogne (1591–1632): „Paulus schreibt seine Briefe“

Dieser Briefschluss hat es in sich! Paulus zieht einen Strich und zieht die Summe von dem, was er nach Korinth hat schreiben wollen. Zwei griechische Wörter möchte ich für diesen Impuls auswählen, die in Luthers Übersetzung lauten:

Laßt euch zurechtbringen, laßt euch mahnen.

Aus Vers 11

Beide Worte haben die gleiche Form, die hier mit „lasst euch…“ wiedergegeben ist. Was da steht ist, ein Passiv: „werdet zurechtgebracht“, „werdet ermahnt“. Da wir den Passiv im Deutschen so nicht gebrauchen, ist „lasst euch…“ eine gute Wahl. Über das Wort für „ermahnen“ habe ich zu Pfingsten schon geschrieben: Es heißt „ermahnen“ und „trösten“ in einem.

Wer handelt in diesem „Zurechtbringen“ und „Ermahnen“? – Wenn in der Bibel bei einem Passiv nicht dabeisteht, wer handelt, ist das oft eine respektvolle Umschreibung für „Gott“. In der Frömmigkeit zu Jesu Zeiten hat man vermieden, Gottes Namen zu nennen und selbst die Umschreibungen haben sich irgendwann so heilig angefühlt, dass man sie nicht mehr gebraucht hat. Der Passiv ermöglicht ein Reden von Gott ohne irgendein Wort für Gott: „Werde gesegnet!“ heißt „Gott segne dich!“ Da unser Vers im Folgenden davon handelt, wie man sich in der Gemeinde verhalten soll, geht es aber wohl eher darum, dass die Korinther Christen sich untereinander „zurechtbringen“ und „ermahnen“ sollen, bzw. es sich von anderen gefallen lassen sollen. Doch die Möglichkeit „Gott“ klingt immer noch mit durch. Dadurch, dass man hinhört, wenn andere Christen (und nicht nur Pastoren!) einem etwas zu sagen haben, kann man die lebendige Stimme Gottes hören!

Christen haben gerne eine feste Meinung von dem, was wahr und was unwahr ist, denn in unser Religion geht es immer auch um Lehre. Wer zu Jesus gehört, kann man auch am Bekenntnis sehen. Man kann dem Menschen nicht ins Herz gucken, aber man kann hören was er mit dem Mund so alles sagt. Das mag ein ungenaues und vorläufiges Kriterium sein, aber immerhin. Deswegen ist Streit im Christentum ganz oft ein Streit um Meinungen. Unter diesen Umständen ist es wichtig, auf Paulus’ Mahnung zu hören:

Lasst euch zurechtbringen, laßt euch ermahnen.

Andere könnten dir was zu sagen haben. Du könntest von ihnen eine Korrektur, eine Berichtigung, ja ein lebensveränderndes Gotteswort hören. Das gilt innerhalb der eigenen Familie und von deinen Freunden, aber auch in der Gemeinde und der ganzen Kirche. „Liberal“ und „konservativ“ sind nur Worte. Was hat dir jemand zu sagen, der an einer ganz anderen Stelle im kirchlichen oder politischen Spektrum steht?

Laßt euch zurechtbringen, laßt euch mahnen,
habt einerlei Sinn, haltet Frieden!
So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.

Amen.

Gedankenanstöße

  • Wo hast du schon mal erlebt, dass dir jemand, der ganz anders denkt als du, die Augen geöffnet hast?
  • In unserer Gesellschaft scheint es so zu sein, dass man bei bestimmten Themen nur dafür oder dagegen sein darf: Klimawandel, Flüchlingskrise, Abtreibung. Dir fallen bestimmt noch andere Beispiele ein. Bei welchen dieser Themen hast du eine feste Meinung, vielleicht sogar eine, die ganz auf „ja“ oder „nein“ setzt? Gilt auch hier Paulus’ Mahnung, sich „zurechtbringen“ und „ermahnen“ zu lassen?
  • Was ist mit Menschen, die keine Christen sind? Können auch sie zurechtweisen und ermahnen in diesem Sinne? Spricht Gott auch durch sie?

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