„Die neue Geburt“ (Quasimodogeniti, 28.4.2019)

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ELKG 036 • 1. Petrus 1,1-3 • Übersetzung nach Luther 2017Neue Genfer Übersetzung

Das Osterfest ist vorbei, aber die Osterzeit hat gerade erst begonnen. Das wird deutlich, wenn wir mit unserem Text heute über unsere eigene „Auferstehung“ nachdenken. Meistens denken wir da – wenn überhaupt – an eine ferne Zukunftsvorstellung, die mit unserem jetzigen Leben auf der Erde nichts zu tun hat. Doch der Text geht anders an diese Frage heran:

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten…“

Die Auferstehung Jesu Christi, die wir gerade gefeiert haben, ist der Grund für uns, uns im Hier und Jetzt darauf zu besinnen, dass wir „wiedergeboren“ sind. Aber was bedeutet das genau?

Eine „Wiedergeburt“ klingt für mich erstmal beängstigend. So ähnlich wie „Wiedertaufe“, nur eben noch etwas dramatischer. Denn wo (wieder) Leben entsteht, ist der Tod meist nicht fern. Wer schon einmal bei einer Geburt eines Menschen dabei war oder Erfahrungsberichte aus erster Hand bekommen hat, hat einen Eindruck davon. (Werdende) Eltern sind pausenlos besorgt um ihr Kind. Zurecht. Kein Mensch – auch kein Kind – ist vor Krankheit geschützt. Eine Lehrerin von mir hat oft betont, dass der Körper ab 25 Jahren wieder abbaut. Die meiste Zeit unseres Lebens sind wir – aus biologischer Sicht – auf dem absteigenden Ast.

So hat es auch der Verfasser unseres Textes erfahren. Vielleicht hat er Anfechtungen und Krankheit am eigenen Leib erfahren. Vielleicht auch nur aus seinem Bekanntenkreis davon gehört. Er hätte Grund zu jammern und über Schmerzen und Ohnmacht zu klagen, doch er wählt eine andere Perspektive. Und so geht der Text weiter:

„… zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.“

Das neue Leben in Gott, das Leben nach der „Wiedergeburt“, wird im wörtlichen Sinne „blumig“ beschrieben. Ein Leben, das nicht verwelkt, das nicht nach ein paar Tagen oder Wochen vergangen ist, das keinen einzigen Makel hat. Jedes Blatt sitzt an seinem Platz und das für immer. Die „Wiedergeburt“ ist schon von Gott an uns geschehen, und zwar durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Doch wir können die Auswirkungen in diesem Leben noch nicht sehen. Es ist die Hoffnung und der Blick auf die Auferstehung Jesu, die uns zuversichtlich sein lässt, dass auch für uns das Erbe – die ewige Seligkeit – im Himmel aufbewahrt und bereitet ist.

Gedankenanstöße

  • Wie würdest du als perfekte Blume sein/aussehen? Gibt es Dinge in deinem Leben, die du zu deinen „Makeln“ zählst, andere Menschen aber zu deiner (inneren oder äußeren) „Schönheit“? Oder umgekehrt: Welche Dinge magst du an dir, die für deine Mitmenschen aber Störfaktoren sind?
  • Unser Text ist zugleich die Epistel zum Sonntag Quasimodogeniti. Das Evangelium erzählt von dem Jünger Thomas, der die leibhafte Auferstehung Jesu nicht glauben konnte, bevor er nicht die Wundmale Jesu berührt hat. Hier treffen in den beiden Lesungen „Hoffnung“ und „Zweifel“ direkt aufeinander. Würdet du der Aussage zustimmen, dass zur Hoffnung immer Zweifel dazugehören?
  • In der Passionszeit vor Ostern haben viele Menschen eine bestimmte Art, diese Zeit besonders zu begehen (Fasten, Passionsandachten etc.). Was wäre eine Möglichkeit, auch die Osterzeit zu einer besonderen Zeit für dich zu machen?

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