„Bereit zum Verzicht“ (Okuli, 24.3.2019)

ELKG 026 • Jer 20,7-11 • Luther 2017Neues Leben.Die Bibel

Ein Mann, der eigentlich lieber schweigen wollte. Gott tritt in sein Leben und nun redet der Mann doch. Und es geht dermaßen daneben, dass er es nicht mehr ertragen kann, weil jeder Mensch ihn zu hassen beginnt wegen dem, was er zu sagen hat. Was soll er tun?

„Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertragen, aber ich konnte es nicht.“ (Jeremia 20, Vers 9)

Jeremia ist verzweifelt. Er hat von Gott einen wichtigen Auftrag bekommen. Er soll dem Volk Juda, einschließlich den Bewohnern Jerusalems, mitteilen, dass sie nicht nach Gottes  Willen handeln und ihnen Unheil droht. Jeremia erfüllt den Auftrag Gottes, aber nach und nach wenden sich alle von ihm ab – sogar gute Freunde. An dieser Selbstbetrachtung Jeremias wird deutlich, wie sehr Leid und Klage zusammen gehören. Im christlichen Glauben geht das eine nicht ohne das andere. Das Leid muss nicht still  und einsam „ausgelitten“ werden. Jeremia wendet sich mit seinem Leid und seiner Klage an Gott. Sich in seinen schlimmsten Momenten im Leben an Gott zu wenden kennen wir auch aus den Psalmen. In Ps 88 betet einer: „Herr, Gott, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.“ Die Klage und auch das Leid sind bei Gott an der richtigen Adresse. Selbst wenn er das Leiden nicht pauschal aus deinem Leben nimmt, macht er es doch erträglich.

Zu diesem Schluss kommt auch Jeremia, wenn er in Vers 11 beschreibt, dass der Herr bei ihm ist „wie ein starker Held“ und deshalb seine Verfolger am Ende mehr und länger leiden werden als er jetzt. Das oben zitierte (negative) Bild vom brennenden Feuer wird im Buch Jeremia später noch einmal (positiv) aufgegriffen. Diesmal von Gott selbst: „Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?“ (Jeremia 23, Vers 29) Gottes Wort zu verkündigen ist eine schwere Aufgabe und mag uns vielleicht manchmal in die Knie zwingen. Mit Gott als starkem Held an unserer Seite brauchen wir uns davor aber nicht mehr zu fürchten.

Gedankenanstöße

  • Die Überschrift über diesem Sonntag heißt „Bereit zum Verzicht“. Jeremia hat auf einiges verzichten müssen für seinen Auftrag und Verzicht ist ja auch ein großes Thema in der Fastenzeit. Welcher Verzicht war für dich schon ein Grund zur Klage? War er es wert?
  • Leid und Klage sind im christlichen Glauben notwendig aufeinander bezogen. Was spricht dafür, sein eigenes Leid mit anderen zu teilen? Was spricht dagegen? Wie könnte ein guter Weg für dich und deine Mitmenschen aussehen, mit Leid umzugehen?
  • Die Nachrichten in der letzten Zeit waren voll von Berichten, wie Menschen ihrer Klage Luft machen: Sei es mit z.T. massiven und gewalttätigen Attacken wie bei den „Gelbwesten“ in Paris oder auf friedlichem Wege durch (Warn-)Streiks von Gewerkschaften. Sind solche öffentlichen Klagen deiner Meinung nach aus christlicher Sicht vertretbar?

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