„Versuchung“ (Invokavit, 10.3.2019)

ELKG 024 • Hebräer 4,14-16 • Luther 2017

Jesus als Hohepriester. Das ist ein ungewohntes Bild für uns heute. Was ist eigentlich ein Hohepriester? Was macht er und warum ist Jesus unter allen Hohepriestern ein ganz besonderer, obwohl in diesem Abschnitt gar nichts von Wundertaten Jesu berichtet wird?

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.
Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. (Hebräer 4,14-16)
 

Hohepriester kennen wir sonst nur aus dem kultischen Bereich des Alten Testaments. Im 2. Buch Mose finden wir reihenweise Angaben, was ein oberster Priester an hatte, und wie er zum Priester geweiht wurde (Kap. 28 + 29).

Ein Hohepriester war derjenige mit dem höchsten Amt im kultischen Bereich. Er durfte nur einmal im Jahr am großen Versöhnungstag das Allerheiligste im hinteren Bereich der Stiftshütte bzw. später des Tempels betreten. Seine Aufgabe war es, stellvertretend für alle Glaubenden ein Opfer zur Versöhnung der Menschen mit Gott darzubringen. Er hatte damit eine besondere Aufgabe zu erfüllen und es war die höchste Ehre, die jemand damals im Kult inne haben konnte.

Wenn nun Jesus hier im Hebräerbrief als Hohepriester bezeichnet wird, ist das eine hohe Auszeichnung. Aus damaliger jüdischer Sicht die höchste, die man Jesus zugestehen konnte (abgesehen von der Messianität). In diesem kurzen Abschnitt sind aber einige Aspekte zu beobachten, die Jesus allen anderen Hohepriestern voraus hat:

  1. Er ist der Sohn Gottes. Jesus hat „die Himmel durchschritten“, er kennt den Wohnort Gottes des Vaters. Er war von Anfang an – noch vor dem ersten Gedanken an traditionelle Kulte und Hohepriester – dabei.
  2. Er hat mit unserer Schwachheit mitgelitten. Jesus ist Mensch geworden und ist – wie jeder Mensch – in Versuchungssituationen gekommen. Und ist doch ohne Sünde geblieben. Kein normaler Mensch hätte dies schaffen können.
  3. Der Abstand zwischen Jesus und uns ist überwindbar. Ein Hohepriester war, zumindest in seiner Amtsfunktion, damals für das Volk quasi nicht zu erreichen. Wir aber sind in der Lage und auch dazu eingeladen „freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade“.

Es kommt also weniger darauf an, was Jesus als Hohepriester macht, als wer Jesus als Person ist. Über jedes hohepriesterliche Kultopfer hinaus hat er sich selbst zum Opfer gemacht. Gnade, Barmherzigkeit und Hilfe sind die Dinge, die wir von ihm erhoffen und erwarten dürfen.

Gedankenanstöße

  • Wo haben wir diese drei Dinge „Gnade“, „Barmherzigkeit“ und „Hilfe“ von Gott in letzter Zeit in unserem Leben erfahren?
  • In V. 14 werden die Leser des Hebräerbriefes aufgefordert, am „Bekenntnis“ zu Jesus Christus festzuhalten, weil er Gottes Sohn ist und die Himmel durchschritten hat. Wie sieht dein persönliches Verhältnis zum Bekenntnis aus? Und worin besteht das „Bekenntnis“ für dich?
  • Das Evangelium für diesen Sonntag ist die Geschichte Jesu, wo er vom Teufel in der Wüste versucht wird (Matthäus 4, 1-11). Welche drei Dinge hat ihm der Teufel angeboten und wie ist es Jesus gelungen, „ohne Sünde“ zu bleiben?

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