„Verklärung“ (Letzter So. n. Epiphanias, 10.2.2019)

ELKG 019 • Ex 3,1–8 (Lut 17, Elb 06)

In manchen Gemeinden wird dieser Sonntag als „4. Sonntag vor der Passionszeit“ gefeiert, mit einer anderen Textauswahl. Das ist der letzte, wo es diese Neuerung gibt. Ab nächster Woche sollte es wieder besser passen – theoretisch!

Ein Ausschnitt aus „Der Prinz von Ägypten“ (USA 1999)

Und der Engel des Herrn erschien Moses in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch.

Ex 3,2

Begegnungen mit Gott können sehr unterschiedlich aussehen. In der Bibel kann Gott den Menschen in Naturmächten gegenübertreten: Wetter, Vulkanausbrüche, Feuer und Erdbeben. Er kann uns aber auch ganz anders ansprechen, wie in dem „stillen, sanften Sausen“, das dem Propheten Elia viele Jahre später an der selben Stelle begegnet (1.Kön 19,12). Ich möchte auf einen Aspekt hinweisen, den ich in dieser Filmszene gut gelungen finde, und dann eine Linie ziehen zum Evangelium des heutigen Sonntags, der „Verklärung Christi“ bei Matthäus (Kap. 17,1–9).

Eine Gottesbegegnung ist etwas ganz besonderes, etwas, das sich von unserem Alltag und dem, was uns normalerweise umgibt, unterscheidet. Im Bibeltext wird das z.B. klar daran, dass der Dornbusch brennt, aber nicht verbrennt (Vers 3). Gottes Stimme weist den Propheten an, sich die Schuhe auszuziehen, denn dieses Land sei „heilig“, d.h. „ausgesondert“, „besonders bestimmt“ für Gott. Im Film wird das durch einen „Engelschor“ musikalisch betont, aber vor Allem dadurch, dass die Szene ganz anders beleuchtet ist, als der Rest des Films. Die einzige Lichtquelle ist der brennende Dornbusch. In Gottes Licht sehen wir uns, die Welt und Gott selbst anders und neu.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ps 36,10

Für die Stimme Gottes haben die Filmemacher absichtlich den selben Sprecher verwendet, wie für die Stimme Moses’. Dies birgt die Gefahr eines Missverständnisses, denn man könnte meinen, Gott rede zu uns nur mit unserer „inneren Stimme“, dabei ist doch die Pointe an Gottes Wort, dass es von außen kommt. Gott sagt uns ja gerade etwas, auf das wir nicht von allein hätten kommen können. Sonst würden wir immer in der selbst-gemachten Blindheit verbleiben! Angemessen ist es aber insofern, dass Gottes Wort uns immer durch andere Menschen (oder zumindest durch andere Geschöpfe) erreicht, und wir es sind, die es als sein Wort erkennen. Darin, Gottes Wort zu verstehen sind wir aktiv und wir bringen uns selbst in diesen Vorgang mit ein. — Was wir von Gott verstehen ist in der Welt immer gebrochen und ambivalent.

Nachdem Moses sich immer näher an die Flamme herantraut, ein Gespräch führt mit dem „Engel Gottes“ und beauftragt wird, Israel zu führen, endet der Filmausschnitt damit, dass das Licht sich ändert und der Chor schweigt. Moses schlägt das Herz, als wäre er erwacht von einem wilden Traum: vor ihm ein ganz gewöhnlicher Busch, der nur noch in der Erinnerung der „brennende Dornbusch“ ist. Ganz ähnlich ist die Szene strukturiert, die Matthäus uns im 17. Kapitel schildert.

Die drei Jünger gehen mit Jesus auf „einen hohen Berg“. Und auch diese Szene ist in ein fremdartiges, anderes Licht getaucht. Und dort oben interagiert Jesus mit Moses und Elia, als sei dies der Berg Horeb. Petrus hat eine gute Idee und – wie im Traum – redet er davon, Hütten zu bauen. Doch dann geschieht die Stimme vom Himmel, der Höhepunkt der Geschichte. Die Jünger haben Angst und fallen auf ihr Gesicht. Und als Jesus sie anrührt, da ist da nur noch er, ganz normal, wie sie ihn kennen. Im Buch Exodus endet das Gespräch zwischen Gott und Moses mit dem Auftrag an ihn, am Schluss des vierten Kapitels. Das Fünfte Kapitel beginnt dann ganz normal, als wäre nichts geschehen:

Mose ging hin und kam wieder zu Jitro, seinem Schwiegervater…

Ex 5,1

Gott, der Heilige, bricht in diese Welt ein und ist dann auch wieder verschwunden. Wir können ihn nicht fotografieren, festhalten oder eintüten, doch er greift in unser Leben ein und spricht zu uns durch sein Wort, so dass sich unser Leben verändert. Dabei sind wir es, die in hören und wir verstehen ihn. Das Verstehen ist deswegen gebrochen und ambivalent, aber in alledem dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns liebt und er uns uns nicht böswillig in die Irre laufen lässt.

Gedankenanstöße

  • Gibt es Ereignisse in deinem Leben (oder bei jemandem, den du persönlich kennst), die du als ein „Einbruch“ Gottes in die Welt deutest? In welche Kategorie fallen sie, „leises Säuseln“ oder „lautes Donnern“? Vielleicht stimmt auch beides, je nach dem, wie man darauf schaut!
  • Der „Engel des Herrn“ ist ein Einbruch Gottes in die Welt, aber flüchtig und unfassbar. Bei Jesus ist das anders. Inwiefern?

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