„Der Heiden Heilland“ (3. So. n. Epiphanias, 27.1.2019)

ELKG 016 • Joh 4,5–14 • Luther 2017Elberfelder 

Grenzen überschreiten – Leben retten.

Foto: Roger McLassus CC BY-SA 3.0 (Wikipedia)

Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir, einer samaritischen Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern.

Vers 9

Jesus reist durch Samarien. Er bekommt Durst, setzt sich an einen Brunnen und wartet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine samaritanische Frau kommt, um Wasser zu schöpfen. Aber um die „sechste Stunde“ (Vers 6) ist am Brunnen sonst nichts los, denn es ist die heißeste Zeit des Tages. Warum kommt die Frau ausgerechnet um diese Zeit an den Brunnen? Und warum spricht Jesus sie an, obwohl ihm klar ist, dass die Frau eine Unterhaltung mit einem Juden abstoßend finden wird?

In der weiteren Erzählung der samaritanischen Frau wird erzählt, dass die Frau mit einem Mann zusammen lebt, mit dem sie nicht verheiratet ist – damals undenkbar. Für ihren Lebenswandel wurde sie von der Gesellschaft verachtet. Um sich keine bösen Blicke und Sticheleien einzufangen, kommt sie zur unangenehmsten Zeit zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Und wider erwarten, trifft sie dort auf einen Mann.

Indem Jesus sie anspricht und um Wasser bittet, überschreitet er zwei Grenzen. Eine äußerliche Grenze: die traditionelle Trennung zwischen Juden und Samaritanern. Und eine innerliche Grenze: den Schutzschild der Frau, die sich von der Gesellschaft fernhalten will. Da bricht in der Frau etwas auf. Jesus hat ihr etwas mitzuteilen, das weit über Völkerverständigung und unangemessene Lebenspartnerschaften hinaus geht. Er will ihr von dem lebendigen Wasser geben, „das in das ewige Leben quillt“ (Vers 14). Und auch mit dieser Verheißung werden zwei Grenzen überschritten: Einmal die Eigenschaften von normalem Trinkwasser, das sonst nicht zur Quelle der Ewigkeit werden kann und zum anderen werden mit dem (ewiges Leben gebendem) Wasser, das Jesus der Frau anbietet, die Grenzen des Lebens überschritten. Für Jesus ist es unwichtig, woher die Frau kommt, wie sie lebt und wieviel Schuld sie auf sich geladen hat. Entscheidend ist die Aussicht auf ein anderes Leben. Ein Leben, in dem eine von der Gesellschaft verachtete Frau zur Heilssbotschafterin wird und in dem wahrer Friede und ewiges Leben möglich ist, weil Gott bereit ist, Grenzen zu überschreiten.

Gedankenanstöße

  • Wo haben andere Menschen bei Dir schon mal eine Grenze überschritten, und damit unerwartet bei Dir Positives bewirkt?
  • In den Evangelien wird öfter davon berichtet, dass Jesus Grenzen überschreitet: Zum Beispiel bei der Hochzeit zu Kana (Wasser wird in Wein verwandelt), bei der Fußwaschung (der Meister wäscht den Jüngern die Füße) oder bei der Auferstehung (ein Toter wird lebendig) . Warum macht er das und was bezweckt er damit?
  • Hast Du schon mal bewusst einen Menschen anderer Nationalität angesprochen, bei dem Du dir nicht sicher warst, ob er Dir wohl gesonnen ist? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

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