Epiphanias

Die Epiphanias-Zeit ist die Zeit, in der die Kirche die Gegenwart des Mensch-gewordenen Herren bewusst genießt. So wie die Wärme in unseren Wohnstuben ein Gegensatz zu der Kälte des Winters ist, ist das Licht, das uns in Christus erschienen ist, ein Kontrast zur Welt. Ich glaube, dieser Kontrast ist, was Weihnachten so attraktiv macht, auch für Menschen, die sonst nichts mit Kirche am Hut haben.


Die Rede von Christus als dem „Licht der Welt“ klingt kirchlich und fromm, ist aber bedeutungslos, wenn sie nicht etwas beschreibt, das in meinem Leben geschehen ist.

Was das genau ist, kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen. Mein Leben kann ich auf mehreren Ebenen als ein Hellwerden beschreiben. An mehreren Stellen ist mir sehr bewusst, dass Christus in mein Leben getreten ist und mir die Augen geöffnet hat. Es war nicht immer einfach. Wenn Licht ins Dunkel fällt, sieht man auch die blödesten Ecken an sich selbst. Was das genau ist, ist recht privat, und ich möchte es hier nicht ausbreiten. Aber vielleicht möchtest du dich fragen: Wo kann ich mein Leben als einen Weg aus der Dunkelheit ins Licht beschreiben?

Die Görlitzer Heilig-Geist-Gemeinde besitzt ein Lichtzepter. Das ist eine alte schlesische Tradition und ein Vorläufer des Weihnachtsbaumes. Krippenfiguren werden daraufgestellt und von Kerzenlicht beleuchtet. Unseres hat einen deutlich selbstgemachten Charakter, auch wenn es inzwischen neue Holzfiguren trägt. In DDR-Zeiten konnte man nicht in den Laden gehen und Kirchenausstattung kaufen. Es ist ein Zeugnis davon, dass Menschen hier in der Gemeinde die Geschichte von Jesu Geburt als ihre Geschichte verstehen. Im Jesuskind hatten sie eine Epiphanie, eine Gotteserscheinung, die in ihrem Leben etwas austrägt.

Auf der mittleren Etage steht zwischen den Hirten und den Schafen ein kleiner Junge. Ich kann mich mit ihm identifizieren: Mein inneres Kind steht an der Krippe zwischen den Engeln, Königen, Hirten und Tieren und ist dabei, wenn Jesus auf die Welt kommt.

Gebet: Herr Jesus Christus, hab Dank dafür, dass du in mein Leben gekommen bist. Danke, dass dein Licht meine Dunkelheiten durchleuchtet und ich mich selbst ein Stück weit so sehen darf, wie du mich siehst. Ich bitte dich, bleibe bei mir, Herr, öffne mir die Augen und führe mich auf meinem Weg. — Amen.

(Fotos von D. Vorberg)

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