„Der Vorläufer des Herrn“ (So, 16. Dezember)

ELKG 03 • 3. Sonntag im Advent • „Der Vorläufer des Herrn“ • So, 16. Dezember 2018 • Vorgesehener Predigttext: Röm 15,(4) 5–13 • Luther 2017Elberfelder

Für uns ist es selbstverständlich, dass die weihnachtlichen Verheißungen allen Menschen gelten. Doch obwohl die Entgrenzung im Alten Testament als Spitzenaussage angelegt ist, ist es doch selbstverständlich, dass die Verheißungen Israel gelten: dem auserwählten Volk, nicht einfach allen Völkern. Dass wir Heiden in die Gnade Gottes miteingefasst sind, ist eine große Überraschung. Sie leuchtet im ersten Bund auf und weist über ihn hinaus, aber eine Selbstverständlichkeit ist das nicht.

In den ersten christlichen Gemeinden sorgte diese neue Erkenntnis für eine gewisse Unruhe. Vielen kam es als eine neue Offenbarung vor und sie waren skeptisch. Deswegen bietet Paulus in unserem Abschnitt eine Reihe von Bibelstellen, um es als schriftgemäß zu belegen. Für die heidnischen Leser war es sicher Musik in ihren Ohren. Bei den jüdischen Lesern muss es gemischte Gefühle hervorgerufen haben. Auf der einen Seite freuen sie sich, dass „ihr“ Gott als so groß und (all-)mächtig angesehen wird. Selbst von den Heiden wird dies nun bekannt. Aber es bedeutete auch, dass sie jetzt nicht mehr alleine sein auserwähltes Volk waren. Es ist halt doch schön, sich selbst als etwas Besonderes, Herausgehobenes –um nicht zu sagen– Heiliges zu sehen.

Es ist einer der Aspekte des Pietismus: Man ist gerne „fromm“ und schaut herab auf die anderen Christen, die sich nur aus Gewohnheit so nennen, und dann als „U-Boot-Christen“ nur an Weihnachten im Gottesdienst auftauchen. Auch in der SELK kann es so eine pietistische Ader geben. Ich erwische mich selbst dabei, dass ich mich freue, zu den „Rechtgläubigen“ zu gehören. Dagegen kann es auch die Tendenz geben, hinter jedem Verweis auf Schrift und Bekenntnis verhärtete Religiosität, ja sogar Fundamentalismus zu vermuten.

Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht. — Vers 5

Das schreibt Paulus Juden und Heiden in Rom. Er schreibt es aber auch Progressiven und Konservativen in der SELK. Die Schriftbelege, die er anführt, haben in Rom beiden Gruppen Evangelium verkündigt. Den Judenchristen sagen sie, dass Gott die Heiden zu seinem Lob erwählt hat, nicht zu ihrem Ärger. Und den Heidenchristen stärken sie den Rücken in Anbetracht der Tatsache, dass sie neu hinzugekommen sind zur Gemeinschaft der Erwählten Gottes. Uns heutige Christen erinnern sie daran, dass unsere Erwählung nicht selbstverständlich ist, aber das Gott es mit einem jeden von uns so ernst meint, wie mit den Israeliten. Alle Christen aber verweist Paulus auf das  Zentrum unseres Glaubens, auf Jesus Christus.

Denkanstöße

  • Wo ordnest du dich ein in die Kategorien „progressiv“/„konservativ“ innerhalb der SELK?
  • Bestimmt gibt es jemanden in deiner Gemeinde, der genau am anderen Ende des Spektrums steht. Was habt ihr, trotz dieses Unterschiedes gemeinsam?
  • Diese Frage kann man ganz allgemein stellen oder in Bezug auf Jesus Christus.  Wie verändert das die Antwort?
  • „Wir haben recht und die anderen nicht!“ – In Bezug auf welche theologischen Themen würdest du diesen Satz über die SELK sagen? Bei welchen Themen ist es dir nicht so wichtig? Und bei welchen Themen reibst du dich an deiner Kirche?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.