„Die Kirche in der Welt“ (So, 4. November)

ELKG 068 • 23. Sonntag nach Trinitatis • „Die Kirche in der Welt“ • So, 4. November 2018 • Vorgesehener Predigttext: Röm 13,1–7 • Luther 2017Elberfelder

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet. (Vers 1)

Es gibt keine Obrigkeit, außer von Gott? In unserem Land sind wir selbst die Obrigkeit. Es gilt der Wille des Volkssouverän, der durch Wahlen und parlamentarische Arbeit bestimmt wird. Das ist eine ganz andere Vorstellung von Regierung, von der Kunst („-tik“) die Stadt („Poli-s“) zu führen, als was Paulus vor Augen hat. „Politik“ in der griechisch-römischen Welt bedeutete, den Willen der Götter durchzusetzen. Wenn zwei Länder im Streit waren, war dies auch der Streit der Götter. Wenn ein Dieb gefasst und bestraft wurde, geschah dies im Namen des Stadt-Gottes. Paulus achtet all diese Gottheiten nicht als „Gott“, doch die Wirklichkeit der Stadt, die in ihnen personifiziert wird, erkennt er an. Menschliche Gemeinschaft muss geordnet werden. Augenfällig wird dies im Straßenverkehr. In Fahrzeugen, die viele hundert oder gar tausende Kilogramm schwer sind, bewegen wir uns mit Geschwindigkeiten, die schneller sind, als ein Mensch laufen kann – ja bisweilen sogar schneller, als jedes Tier laufen kann. Es bedarf einer strengen Ordnung („rechts-vor-links“, „bei rot halt!“), damit das funktioniert. Augenfällig ist auch, dass Brüche der Ordnung schnell katastrophale Folgen haben.

Doch ist die Ordnung, nur weil sie Ordnung ist, von Gott gegeben?

Gerade wir Deutschen haben schlechte Erfahrungen gemacht mit Ordnungshörigkeit.

Befehl ist Befehl. Da diskutiert man nicht!

Sagte der Aufseher im KZ und drehte die Gas-Ventile auf. Nur weil es Gesetz ist, ist es noch nicht richtig. Nur weil es Recht ist, ist es noch nicht gerecht.

So einfach ist es also nicht! Nein, welche staatliche Ordnung Christen einhalten sollen, und welche nicht, muss im Einzelfall entschieden werden. Schon für die Christen im ersten und zweiten Jahrhundert war klar, dass sie den römischen Staats- und Kaiserkult nicht mitmachen. Dabei hatte Paulus doch gesagt:

Ehre, dem die Ehre gebührt! (Vers 7)

Der römische Kaiser wollte aber als Gott –und von den Christen: anstelle Gottes!– verehrt werden. Und damit war so klar eine Grenze überschritten, dass die Christen gegen diesen Vers gehandelt haben. Sie haben dem Kaiser die Ehre verweigert. Vom heidnischen Staat haben sie dafür großes Leid hinnehmen müssen.

Gedankenanstöße

  • Wenn Du in den Staatsdienst gehen würdest, müsstest Du öffentlich einen Amtseid ablegen. Beamten und Soldaten steht frei, den Eid zu beschließen mit „Sowahr mir Gott helfe“. Würdest Du diese Formel benutzen? Warum, warum nicht?
  • Die Fürbitten, die die luth. Kirchenagende (das Buch, mit dem der Gottesdienst geplant wird) enthält, bedenken oft den Staat in allgemeinen Begriffen. Wärst Du dafür Politiker und Würdenträgerinnen namentlich zu benennen? Warum, warum nicht?
  • Wärst Du dafür, wenn in Deiner Kirchengemeinde für Deine politische Partei geworben wird? (Wohlgemerkt: Nicht für irgendeine politische Partei, sondern für Deine!)
  • Was wären für die die Kriterien, Grenzen zu ziehen bei der Befolgung staatlicher Gesetze? — Was ist mit biblischen Gesetzen?

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