„In Gottes Schuld“ (So, 28. Oktober)

ELKG 067 • 22. Sonntag nach Trinitatis • „In Gottes Schuld“ • So, 28. Oktober 2018 • Vorgesehener Predigttext: Röm 7,14–25a • Luther 2017Elberfelder • Andacht für den Vorabend des Sonntags (von Diedrich)

Denn das Gute,
das ich will,
das tue ich nicht;
sondern das Böse,
das ich nicht will,
das tue ich.
— Vers 19

„Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!“ sagte mein Unteroffizier in der Grundausbildung. Er meinte damit, dass man, wenn man ein Problem einmal durchschaut hat, auch damit umgehen kann. Und ich stimme dem zu. An sich selbst, dem eigenen Verhalten und Ansichten einen Fehler zu sehen, ist eine Gnade. Man wird „betriebsblind“, man setzt selbst seine ganze Energie ein, um nicht zu sehen. „Verblendung“ nennt das die Bibel, „blind machen“. Wie der Säufer, der sich jede Woche auf’s neue sagt, er könne aufhören. Alkoholismus ist gesellschaftlich freilich geächtet. Es gibt aber auch andere Süchte und Blindheiten. Wie ist es mit jemandem, der süchtig ist nach Arbeit? Die Gesellschaft lobt ihn als fleißig, doch seine persönlichen Beziehungen sterben ab. Er wohnt in einer schicken Wohnung, anerkannt, doch vor Gott ist er nicht weniger Sünder als der Säufer.

Was ist deine Sünde? Hast du sie im Griff? Sag nicht zu klar „nein“, denn wenn Du konkret weißt, was zwischen dir und Gott steht, hat Gott dir schon große Gnade erwiesen. Sag nicht zu klar „ja“, denn dann betrügst du dich selbst. — Diese Spannung ist das Wesentliche an diesem Abschnitt.

Es ist diese Spannung, die Paulus anspricht als „Fleisch“ und „Geist“. Mit „Fleisch“ spricht der Apostel diejenigen Umstände unseres Lebens an, wo wir anderes Leben konsumieren, um zu leben. Fleisch essen ist ein Beispiel. Ein Tier stirbt, damit wir leben. Café trinken ist auch ein Beispiel. Wir schlürfen Heißgetränk und in Südamerika marlocht ein armer Bauer für einen Hungerlohn. All diese Umstände des „Fressens“ bezeichnet Paulus mit dem Wort „Fleisch“. Der Gegensatz „Geist“ ist da, wo unser Leben aus Gott fließt. Wenn Gott uns auf die richtige Spur setzt, wenn er uns durch Offenbarung, Gnade und Vergebung den Weg weist und die Augen öffnet für seinen Willen (das „Gesetz“), dann erleben wir „Geist“. So lange wir in der Welt sind, sind wir immer beides, „Geist“ und „Fleisch“.

Paulus spricht diese Spannung auch an als „ich“ und „die Sünde, die in mir wohnt“. Das Problem ist, dass man die beiden Dinge nicht trennen kann, das „ich“ und die Sünde. Man hätte gern, dass die Sünde etwas fremdes, anderes ist.  Es ist so ähnlich wie mit der Figur des Teufels. Man würde sich gerne ’rausreden und sagen: „Der Teufel hat mich verführt!“ oder (auch sehr beliebt) es gleich an Gottes Adresse schicken: „Das Weib, das du mir gegeben hast…“ Beides gilt nicht! Am Ende des Tages muss man eingestehen: Ich habe gesündigt. Auch wenn wir Gott bitten, uns vor Sünde, Tod und Teufel zu bewahren, dies ist nur ein Schritt auf dem Weg, zu ihm zu kommen und zu sagen: „Herr sei mir Sünder gnädig“.

Gedankenanstoß: Sicherlich kannst Du, ganz für dich allein und im privaten, konkrete Dinge vor dein geistiges Auge legen, die dich von Gott trennen. Wo kannst Du Gottes Gnade erkennen, und bist froh, Dinge erkannt zu haben? Wo weißt Du, dass immer noch daneben greifst?
Paulus endet diesen Abschnitt auf dem Ton der Dankbarkeit. Wofür bist Du dankbar im Hinblick auf das oben genannte?

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