„Die geistliche Waffenrüstung“ (So, 21. Oktober)

ELKG 066 • 21. Sonntag nach Trinitatis • „Die geistliche Waffenrüstung“ • So, 21. Oktober 2018 • Vorgesehener Predigttext: Jer 29,1.4–7.10–14 • Luther 2017Elberfelder

Der HERR spricht: Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. (Vers 12)

Die steilste These, die in diesem Vers verborgen liegt, übersieht man als moderner Christ leicht. Aber lasst mich vorne anfangen: Jeremia schreibt „an die Weggeführten in Babel“. Die Babylonier waren geschickte Imperialisten und haben die Oberschicht der besiegten Völker umgesiedelt in ihr eigenes Land. Als Fremdlinge hatten sie sich dort unterzuordnen unter die Sieger. Gleichzeitig erlaubte es ihnen, eigenes Personal in den eroberten Gebieten anzusiedeln, das die Landbevölkerung unter Kontrolle halten konnte. Die handwerklichen und kulturellen Fähigkeiten der Oberschicht standen aber im eigenen Land zur Verfügung.

Für die Israeliten in Babylon war es ein Dilemma: Viel lieber als in Babylon hätten sie ihre Betriebe, Schreibstuben und Schulen zu Hause betrieben! Sollten sie sich den Babyloniern nicht lieber verweigern und passiven Widerstand leisten? „Nein“, antwortet Jeremia, denn der HERR hat noch etwas vor mit ihnen. Die Israeliten sollen sich häuslich einrichten in Babylon und sie sollen dort ihr Leben leben:

Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte. […] Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

Hierin steckt aber ein revolutionärer Gedanke: Sollte der HERR, der Gott Israels Macht haben in Babylon? Ja sogar über Babylon? — Für antike Menschen hatten Gottheiten einen Herrschaftsbereich. Poseidon ist Gott des Meeres, die Athene Göttin der Stadt, Ares der Gott des Krieges, usw. Da waren die Götter zuständig, ansonsten nicht. Der HERR aber, das verkündigt Jeremia den Israeliten, kennt keine Grenzen der Zuständigkeit. Für uns ist es selbstverständlich, dass Gott allgegenwärtig und allmächtig ist. Für die alten Israeliten war es ein überraschendes Evangelium.

Diese frohe Botschaft, die Jeremia ihnen verkündigt hat, rüstete die Israeliten aus für ein Leben in der Fremde. Sie lebten „in“ Babylon, obwohl sie nicht „von“ Babylon waren. So rüstet uns Christen der Heilige Geist zu für ein Leben „in“ dieser Welt, obwohl wir nicht „von“ dieser Welt sind. Wir sind „Gast auf Erden“, der hier sein Leben lebt, wirklich lebt, wirklich hier, aber ohne der Welt verhaftet zu sein, sondern frei.

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