„Die Ordnungen Gottes“ (So, 14. Oktober)

ELKG 065 • 20. Sonntag nach Trinitatis • „Die Ordnungen Gottes“ • So, 14. Oktober 2018 • Vorgesehener Predigttext: 1.Kor 7,29–31 • Luther 2017Elberfelder

Die Zeit ist kurz.
Auch sollen die, […] die diese Welt gebrauchen, sein,
als brauchten sie sie nicht.
Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

In seinem Buch „Nachfolge“ behandelt Dietrich Bonhoeffer unseren heutigen Predigttext ausführlich. Er bietet sogar eine eigene Übersetzung (S. 264). Er schreibt, dass es „ein unerlaubtes Bleiben in der Welt und eine unerlaubte Flucht aus der Welt“ gebe. In beidem stellen wir uns der Welt gleich.

Unter dem „unerlaubten Bleiben“ müssen wir uns kirchliche Bewegungen vorstellen, die ungefiltert dem Zeitgeist verfallen. Ich muss da an breite Teile des landeskirchlichen Milieus denken. Mit einer „unerlaubten Flucht aus der Welt“ sind wir Freikirchler angesprochen. Wie gerne imaginieren wir unsere kleine SELK als eine Arche Noah der Rechtgläubigkeit, die auf dem Unrat der Welt oben schwimmt und deren Passagiere der Hochkultur frönend den einen wahren Gottesdienst feiern. — Ich übertreibe!

Bonhoeffer deutet Paulus’ Denkweise so, dass er sagt: Du musst das Gebot erst „einfältig“ nachvollziehen. Wenn Jesus sagt:

Gehe hin,
verkaufe alles, was du hast,
gib den Erlös den Armen
und folge mir nach!
(Mt 19,21)

dann ist das auch so gemeint. Da kann man sich nicht ’rausreden, von wegen, er hätte das nur dem einen Jüngling gesagt. Man kann noch viele andere Ausreden machen, wie das für mich nicht gilt!. Nein, das gilt und es gilt für dich! Mit Bonhoeffers Worten:

Das paradoxe Verständnis der Gebote hat sein christliches Recht, aber es darf niemals dazu führen, dass es das einfältige Verständnisse der Gebote aufhebt. (Nachfolge, S. 72)

Seine Pointe ist, dass wir Christen die Welt „durch Christus durch […] neu erhalten“ (S. 139). Da wir mit Christus gestorben und mit Christus neu geboren wurden, haben wir der Welt gegenüber ein größtmögliches Maß an Freiheit. „Sie haben“, doch Christen „hängen ihr Herz nicht daran“ (S. 264). „Noch wandelt [die Kirche] im Fleisch. Aber ihr Blick ist auf den Himmel gerichtet, von dem der wiederkommt, auf den sie wartet“ (S. 266). In Hinblick auf den kommenden Christus ist die Zeit nur noch „kurz“, unbedeutend im Vergleich zu dem Ereignis, das da kommt. In diesem Horizont leben Christen.

Denkanstöße

  • Welche „Ordnungen Gottes“ spricht Paulus in den wenigen Versen des Predigtabschnittes an?
  • Probier jeweils das „einfältige“ Verständnis des Gebotes, auf das Paulus anspielt, auf denk Punkt zu bringen.
  • Wenn Du Dir das überlegt hast: Wie lebst Du dieses Gebot, „einfältig“ oder „paradox“?
  • Das „paradoxe“ Verständnis des Gebotes ist gegenüber dem „einfältigen“ nicht defizitär. Christus führt uns das selbst vor, indem er das „einfältige“ Verständnis des Gebotes ad absurdum führt (Mt 5,27–30): Man kann nicht leben, ohne das Gebot zu brechen! Wie können wir aber unter diesen Bedingungen leben, ohne das Gebot für „egal!“ zu erklären? (Und nein, nach 2.000 Jahren hat die Theologie für diese Frage auch keine abschließende Antwort. Was aber denkst du darüber?)

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